VOR BAUKUNSTBEIRAT UND AUF SEE

Der Baukunstbeirat der Stadt Augsburg spricht sich gegen Straßenbahnen und Sonnenschirme aus. Er hat kein Problem damit, wenn es um die „Überarbeitung“ der Ideen von 1. Preisträgern aus Wettbewerben durch importierte Kollegen geht oder Wettbewerbsergebnisse investorenfreundlich „nachgebessert“ werden. Wenn Harmonie besteht zwischen der Bauverwaltung und dem Vorsitzenden des Baukunstbeirats soll dies möglichst lange so bleiben. Dazu hat der Stadtrat die Geschäftsordung des Baukunstbeirats geändert.  

 

75% der Freien Architekten sind wirklich frei, was die Verbandszugehörigkeit angeht, 25% der Architekten sind in Verbänden organisiert wovon gutmütig angesetzt 10% als aktive Funkitionäre auftreten und der Rest im Verband schlummert. Der Baukunstbeirat besteht aus 6 Mitgliedern aus dem Stadtgebiet, welche die Augsburger Architektenverbände benennen. Diese benennen weitere 6 Mitglieder außerhalb des Stadtgebietes aus Ihren Verbandsreihen, wobei z.B. Friedberg, Bobingen, Stadtbergen und Neusäß dieses Kriterium erfüllen. 

Damit bestimmen gefühlte 2,5% der Architekten in Augsburg  die fachliche Besetzung des Beirats. Dieser entscheidet über die Qualität der restlichen 97,5% der Kollegen.  

Sinn der Benennung „Auswärtiger“ war, eine größere Unabhängigkeit bei der Beurteilung der, in Konkurenz zu den bewerteten Architekten stehenden Beiratsmitgliedern sicher zu stellen. Deshalb sollten diese Kollegen während der Tätigkeit im Beirat auch nicht im Stadtgebiet tätig sein. Dieser Ansatz wurde fallen gelassen. 

Es gabe schöne Zeiten, da übte den Vorsitz ein anerkannter Kollege Bernhard Peck  aus München aus. Der war tatsächlich unabhängig und auch kompetent – zu kompetent um den örtlichen Verbandsbenannten provinziellen Entscheidungsspielraum zu geben.  Auch zu kompetent um sich von der Vewaltung in der Beurteilung beeinflussen zu lassen. Der hat fachlich naiv, einfach seine kompetente Meinung gesagt, jedem und zu allem und zu vieler Leidwesen.

Solche Leute kann der Baukunstbeirat nicht gebrauchen und solche Leute sitzen deshalb nicht mehr drin!

Und um die „Zusammenarbeit mit Verwaltung noch zu verbessern und zu intensivieren“ hat das Gremium vorgeschlagen die Geschäftsordung dahingehend zu ändern, dass die WIEDERWAHL IN FOLGE nach einer Wahlperiode (1 Jahr) des 1. Vorsitzenden künftig möglich ist.  Damit wurde die einjährige ROTATION abgeschafft die deshalb Sinn gemacht hat, weil sie auf eine gewisse fachliche Unabhängigkeit hoffen ließ.

Der Bauausschuss hat dies in einer seiner letzten Sitzungen beschlossen und hat damit das Schicksal von 97,5% der FREIEN ARCHITEKTEN Augsburgs, deren Arbeit und die Beurteilung der Stadtentwicklung in mehr oder weniger begnadete und verbandsproportionierte Hände gelegt.   

Damit gilt hier für Architekten der Spruch: Vor dem Baukunstbeirat und auf See ist man in Gottes Hand.

Volker Schafitel

6 Kommentare

  1. Alois Strohmayr sagt:

    Sehr geehrter Herr Schafitel,
    ich hatte Sie bisher als kompetenten, fachkundigen und gut informierten Kollegen sehr geschätzt.
    Nach Ihren Ausführungen zum Thema Baukunstbeirat bin ich mir in meiner bisherigen Einschätzung nicht mehr ganz so sicher.

  2. Volker Schafitel sagt:

    Sehr geehrter Herr Strohmayr,

    ich wüsste nicht, weshalb dieser Beitrag abträglich für meine Kompetenz und Fachkundigkeit wäre. Dafür, dass ich ganz gut informiert bin, legt er direkt ein Zeugnis ab!

    Wir können uns gerne zu einem Cappuccino im Centro treffen und über die aktuelle Situation diskutieren. Ich würde mich freuen – rufen Sie mich einfach an!

    V. Schafitel

  3. Klaus Stumpf sagt:

    Lieber Volker Schafitel,

    In einem Punkt gebe ich Dir recht, die Besetzung des Beirates über die Verbände erscheint nicht offen genug. Ich habe die Besetzung mittels einer Vorschlagsliste über die Architektenkammer angeregt. Aber auch dies ist nicht unproblematisch und es ist fraglich, wie viele freie Kollegen man damit erreicht, die man nicht auch über die Verbände erreichen würde. Berufen werden die Mitglieder des Baukunstbeirates letztlich vom Stadtrat.
    Übrigens ist der jetzige Vorsitzende kein Mitglied eines Verbandes.

    Ansonsten ist dein Pamphlet über den Baukunstbeirat leider in fast allen Punkten fehlerhaft und unrichtig:

    Die bisherigen Vorsitzenden waren
    2004+2005, Bernhard Peck München
    2006, Volker Grabow, München
    2007, Alois Strohmayr, Stadtbergen
    2008, Klaus Stumpf, Augsburg
    2009, Thomas Glogger, Augsburg

    Die Änderung der Satzung entspricht dem Wunsch des Baukunstbeirates, da sich im Lauf der Jahre gezeigt hat, dass die Regelung mit zwangsweise einjährig wechselndem Vorsitz nicht befriedigend ist. Nicht jedes Mitglied ist für den Vorsitz geeignet und nicht jeder möchte oder kann diese Aufgabe wahrnehmen.

    Die Arbeit des Vorsitzenden beinhaltet nicht nur die Teilnahme an der Beiratssitzung sondern er ist auch in die Auswahl der Projekte eingebunden und soll das Sitzungsergebnis im Bauausschuss vortragen. Dies bedeutet für einen auswärtigen Vorsitzenden mehrfache Anfahrt pro Sitzung. Für die Tätigkeit im Beirat erhält jeder Teilnehmer eine Pauschale von 200 € pro Sitzung, die zwischen 4 und 8 Stunden dauern. Weitere Ortstermine, Bauherrngespräche, Protokollkorrekturen, Fahrtspesen werden nicht erstattet. Deshalb sind auswärtige und insbesondere sehr renommierte Kollegen nur schwer als Mitglieder und als Vorsitzende zu gewinnen.

    Übrigens hätte, der von dir zu recht gelobte, Bernhard Peck (München, nicht Regensburg) den Vorsitz gerne noch ein weiteres Jahr übernommen und wäre höchst wahrscheinlich auch gewählt worden, was mit der neuen Regelung möglich wäre. Herr Peck ist keineswegs naiv, sondern hat eine sehr pragmatische Einstellung zu politischen und sachlichen Gegebenheiten unseres Berufsstandes und eine sehr realistische Vorstellung von der Wirksamkeit des Baukunstbeirates.

    Die Zusammenarbeit von Vorsitzendem und Verwaltung sollte möglichst harmonisch und unkompliziert sein, da die Verwaltung die Informationen und Grundlagen für alle Projekte zusammenstellt und vorbereitet. Das bedeutet nicht, dass man in allen Belangen einer Meinung ist. Es gab einige Differenzen bezüglich der Vorbereitung, Präsentation und Auswahl der Projekte, was sich aber mit der Zeit eingespielt hat. Letztlich ist die Qualität der Informationen von den Plänen und Unterlagen der Bauwerber abhängig. Die Arbeit der Verwaltung war in meinen 4 Beirats-Jahren meistens gut und fachlich kompetent.

    Mitglieder des Baukunstbeirates agieren nicht als Mitglieder eines Verbandes und vertreten auch nicht irgendwelche Interessen außerhalb der Ihnen anvertrauten Aufgabe. Kein Mitglied des Baukunstbeirats und kein Vorsitzender verbiegt sich, um der Verwaltung nach dem Munde zu reden. Der Auftrag des Baukunstbeirates, und dieser wird sehr ernsthaft wahrgenommen, ist die fachliche Beratung des Stadtrates, bzw. des Bauausschusses. 90 % der gefassten Beurteilungen und Empfehlungen fallen einstimmig. Mitglieder des Baukunstbeirates nehmen nicht an Sitzungen teil, bei denen eigene Projekte vorgestellt werden. Verbandsproporz ist überhaupt kein Thema, der Vorwurf ist lächerlich, – was sollte dessen Ziel sein? Inwiefern ist Architekturqualität verbandsabhängig?

    Der Baukunstbeirat gibt ausschließlich Empfehlungen ab, – über die Architektur entscheidet der Bauherr, soweit nicht baurechtliche Gründe gegen die gewünschte Ausführung sprechen, – über die Genehmigung entscheiden Bauausschuss und Verwaltung.

    Inwieweit das Schicksal von 97,5 % der Augsburger Architekten und die Stadtentwicklung von einigen im Baukunstbeirat engagiert arbeitenden Kollegen abhängt, erschließt sich mir nicht. Das ist einfach polemisches Geschwätz.

    Klaus Stumpf

  4. Volker Schafitel sagt:

    Lieber Klaus,

    Peck kommt aus München – das habe ich ja schon in meinem Beitrag korrigiert!

    Dass Herr Peck eine sehr pragmatische Einstellung zu politischen und sachlichen Gegebenheiten unseres Berufsstandes und eine sehr realistische Vorstellung von der Wirksamkeit des Baukunstbeirates, kann ich unterschreiben! Seine Erwartungshaltung gegenüber ergebnisoffenen Entscheidungsprozessen speziell in Augsburg hat eine gewisse Unbekümmertheit, die ich sehr positiv wahrgenommen habe. Vielleicht ist naiv zu negativ ausgedrückt.

    Ich denke dabei nur an Pecks erstaunten Gesichtsausdruck im Sailer-Saal 2006, als Walter Pecks Forderung nach Zulassung von Alternativen an der KÖ-Planung harsch zurückwies.

    Ansonsten bleibe ich dabei, dass der Beitrat ein zahnloser Tiger ist, und sich weit vom Geist seiner Gründungsmitglieder z.B. G.Ludwig entfernt hat.

    Ich habe ja Gott sei Dank nicht oft die „Ehre“ da vorgeladen zu werden. Aber die letzte Provinzdiskussion um Platzbestuhlung und Sonnenschirme am Fuggerplatz hat mir bis auf Weiteres gereicht!

    Wenn mich ein über 20.köpfiges Gremium auffordert einen Bestuhlungsplan zu „erläutern“, frage ich mich, wo die Kunstbeiratung an wichtigeren Plätzen Augsburgs stattfand!

    Wir können gerne hier weiter über die Qualität der Ladehöfe, des Rangiergleis-KÖ´s usw. diskutieren. Da höre ich keinen Ton aus dem Kunstbeirat wo jedem klar ist, das an diesen Stellen der städtebauliche Sündenfall droht!

    Also ändert sich im Beirat die künstlerische Wahrnehmung und Sensibilität mit den jeweiligen Vorzugsplanungen der Verwaltung.

    Geschwätz hin oder her, die Forderung nach wertiger und offener Besetzung (z.B. Preisrichterqualität ) bleibt bestehen! Wenn für Qualitätsbesetzung kein Geld da ist, relativieren sich die Entscheidungen sehr. Denn wie Du sicher weißt entscheiden Erstklassige meist erstklassik, hingegen Zweitklassige oft drittklassik!

    So meine Meinung!

  5. Klaus Stumpf sagt:

    Ich wußte nicht, daß das hier eines von diesen Hin- und Herschreibforen ist, aber seis drum:

    Man kann den Baukunstbeirat sicher verbessern, wichtig wäre es zum Beispiel seine Wahrnehmung und Wirksamkeit zu erhöhen. Toll wäre es, wenn der Stadtrat die Empfehlungen als verbindlich ansehen würde. Oder wenn zumindest die Planverfasser Empfehlungen ihrer Kollegen ernst nehmen würden.

    Ich weiß nicht wie viele Mitglieder die von dir gewünschten Preisrichterqualitäten haben, aber sicher eine ausreichende Anzahl.
    In der Geschäftsordnug des Baukunstbeirates (Internetseite Stadt Augsburg) ist beschrieben, was seine Aufgaben sind, Wen er über welche Projekte zu beraten hat.

    Ich kann Dir nicht sagen ob die aktuelle Ladehofplanung behandelt worden ist, die vorherigen Entwürfe von Marazzi und Co wurden alle bearbeitet.
    Du kennst ja einige Kollegen, die selbst Baukunstbeiratsmitglieder sind, oder Mitglieder in Verbänden, die werden bestimmt dafür sorgen, daß Projekte, die Dir und für die Stadt wichtig sind in die Vorschlagsliste aufgenommen werden.

    Noch eins, es gibt nicht allzu viele Städte, die sich ein solches Gremium leisten. Mag sein, daß der Baukunstbeirat keine sehr scharfe Waffe für die Baukultur ist, zumindest wirkt er positiv in ihrem Sinne. Es wäre schade das kaputtzureden, auch wenn man persönlich über seine Beurteilung enttäuscht ist.

    Klaus Stumpf

  6. Volker Schafitel sagt:

    Du befindest dich grade auf dem Blog des Architekturforums Augsburg e.V. und Sinn des Blogs ist “ Hin- und Hergeschreibe“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Blog)

    Anders, wie in einem Verband wie dem SAIV, dessen 2. Vorsitzender Du bist, und auf dessen Seite unter „Aktuell“ ein Eintrag aus dem Jahr 2008 steht, ist der Blog ein lebendiger, quirliger und aktueller Meinungsaustausch. Sobald Du dazu keine Lust mehr hast, klappst Du einfach Dein LapTop zu und Ende!

    Wer bei Kritik Angst hat vor „Kaputreden“ hat das Ziel der offenen Aussprache und der Kontroverse noch nicht verinnerlicht und sollte der Sache mehr Selbstbewustsein geben.

    Du meinst nicht wirklich, dass ich wegen ein paar Tischen, Stühlen und Sonnenschirmen auf dem Fuggerplatz enttäuscht bin, weil ich die Striche dazu gezeichnet habe. Da entäuscht mich die Manzuschleife am KÖ mehr, deren Striche nicht meinen Entwurf durchkreuzen.

    Zumal sich die Bürger um den vom Beirat unter Menschenschutz
    gestellten Fugger die Tische und Stühle dort hin ziehen, wo, je nach Vorliebe Sonne oder Schatten herrscht, und sich um die von Eurem Beirat auferlegten Einschränkungen wenig scheren – ich meine mit Recht!

    Beginnt zu allererst mal, den Beirat öffentlich tagen zu lassen, dennn ich wüsste nicht, weshalb die künstlerische Bewertung von Bauvorschlägen hinter verschlossenen Türen „geheim“ stattfinden muss, während der Bauauschuss öffentlich tagt!

    Das wäre nach der offeneren Bestellung des Beirats ein 1. Schritt zum freien Blick!

    PS: Damit keine falschen Gedanken aufkommen, ich halte mich nicht für qualifiziert genug, einem sochen Gremium bei zu sitzen während es auch in unserer Stadt durchaus Leute gibt.

    V. Schafitel

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