Die Stadt ist „fällig“

2007 formierte sich ein Bürgerbegehren, weil am KÖ 42 Bäume gefällt werden sollten – 2011 werden dort 166 Bäume gefällt . Auch gegen die Baumfällung an der Friedbergerstraße und im Textilviertel engagierten sich die Bürger – erfolglos. Gnadenlos werden Bäume aus Gründerzeitachsen geschnitten. Selbst vor dem geschützten Altstadtgrüngürtel machen die städtischen Baumfäller nicht halt.  Allen war bisher der Altstadtgrüngürtel heilig. Das ist jetzt vorbei!

 

Die Innenstadt ist „fällig“! Selbst Gründerzeitboulevards wie die Bahnhofstraße werden ausgelichtet! Die herannahende Mobilitätsdrehscheibe wird die parallel verlaufende Halderstraße in eine teilweise 4-gleisige, baumlose Steinwüste verwandeln. Als Ersatz dazu entsteht an der Stätzlinger-Straße eine Allee

Baumstumpf in der Bahnhofstraße

Baumstumpf in der Bahnhofstraße

Ohne Information des Stadtrates schuf die Städtische Wohnungsbau Gesellschaft WBG an der Blauen Kappe nackte Tatsachen und holzte aus dem geschützten Altstadtgrüngürtel ca. 100 wertvolle Bäume heraus.  Eine unverzeihliche und unheilbare Schandtat!

Freie Sicht auf das Stadion an der Blauen Kappe

Freie Sicht auf das Stadion an der Blauen Kappe

Dabei gehen die städtischen Holzfäller über die Baumschutzverordnung des Grüngürtels Altstadtrings hinweg, mit dem Segen des Umweltreferenten und der Nachsicht der unteren Naturschutzbehörde. Diese stellt zwischenzeitlich jedem Baum der weg soll den vorzeitigen Totenschein aus, indem sie in für sterbenskrank erklärt.

Schutzbereich (ROT) Grüngürtel Altstadtring

Schutzbereich (ROT) Grüngürtel Altstadtring

Auch der gesamte KÖ-Park steht unter dieser Schutzverordnung, selbst dort wo durch den neuen Umsteigebahnhof der Tram (kleines rotes Dreieck) alles weg“fällt“ was irgendwie grün aussieht!

Der Gründerzeitpark am KÖ

Der Gründerzeitpark am KÖ

Man kann dieses Bild nicht oft genug zeigen damit erkennbar wird, welche Grünschätze wir in der Stadt haben, und in welcher Gefahr sich diese befinden. Siehe auch: Die Fällung

Hoffentlich übersteht dieser Artikel die Zensur des Adminvorstands! – V. Schafitel

5 Kommentare

  1. Admin / Emminger sagt:

    Jup. Tut er.

  2. AZ-Forum-Pingback sagt:

    […] Architekturforum Augsburg e.V. Blog Archive Die Stadt ist

  3. Frank Lattke sagt:

    HALT ein!

    nächstes Jahr werden wir Szenen erleben, wie in Stuttgart, wo sich einige wenige auf Bäume binden als Ausdruck von individuellem Protest. Es wird noch stärker mit emotionalisierten Bildern operiert werden und Verhinderer werden sich gegen Umbauer stellen.
    Spätestens dann werden geplante Visionen, die von der Mehrheit der Bürger verstanden und getragen werden, keine Chance mehr haben, entwickelt und gehört zu werden. Dass zeigt ganz deutlich die Entwicklung aus Stuttgart.

    Unsere Stadtregierung hat es bisher versäumt, aus Ergebnissen von Wettbewerben, die mit viel Geld und Sachverstand zustande kamen, ehrlichen Mehrwert VOR der Realisierung zu schaffen. Augsburg braucht einen Ort, an dem sowohl die aktuellen Entwicklungen, wie auch die wichtigsten Punkte der Stadtgeschichte nachvollziehbar dokumentiert sind.
    Lasst uns die Stadtentwicklung zelebrieren im Bewusstsein und der Ehrlichkeit im Ringen um die beste Lösung. Die RED BOX (Potsdamer Platz), der PAVILLION (Neue Mitte Ulm) oder das FORUM in Barcelona sind allerbeste Referenzen.
    Die Bilder des vergangenen Wahlkampfs sind das Papier, respektive die Folie nicht wert, auf dem sie gedruckt waren.
    Ich appelliere eindringlich an maximale OFFENHEIT und TRANSPARENZ im weiteren Verfahren auf allen Seiten. Polemik und persönliche Kleinkriege sind genauso Ausdruck großer Hilflosigkeit wie ein „geheim“ geplanter Stadtumbau und führen allesamt auf´s Abstellgleis!
    Dazu sind alle Beteiligten gefordert, sich im besten Sinn aufeinander zu zubewegen
    und endlich mit der gebotenen Professionalität in der Sache die wichtigen Weichen für die Zukunft unserer Stadt zu stellen!
    Die Stadt wird sich verändern und wird im besten Sinn ge“fällig“! Aber nur dann, wenn mit Verstand zerstört wird (frei nach Luigi Snozzi). Das Schicksal der Stadt an einer Zahl von Bäumen festzumachen, ist m.E. nur ein schwacher, aber verständlicher Versuch, Dinge aufzuhalten, die bisher nicht sauber kommuniziert wurden.
    Dipl. Ing. Frank Lattke,
    Architekt BDA

  4. vs sagt:

    Lieber Frank,

    Dein Aufruf kommt zwei Jahre zu spät. Seit 2008 mahne ich den ehrlichen, ergebnisoffenen Dialog mit der Stadtgesellschaft und Transparenz beim Stadtumbau Augsburgs an.

    Insbesondere die Architektenschaft hat sich bis zum „Tunnelwahlkampf“ zurückgehalten und zugelassen, dass sich die Planzielfindung an den Bedürfnissen der Stadtwerke, den angeblichen Fördermittelzwängen und, im Zusammenhang damit, am künftigen politischen Erfolg einer Stadtregierung orientiert.

    Maulkörbe und geheime Planungen haben die letzten beiden Jahre geprägt – und die Architektenschaft hat zugesehen und sich auf die zwei „Wahlziele“ der Stadtergierung beschieden:

    1. Autofreier KÖ
    2. Fuggerboulevard

    Das hat nichts mit Stadtentwicklung zu tun. Aus meiner Sicht haben hier alle fachlichen und berufsethischen Kontrollmechanismen versagt.

    Ich streite seit 2007 für eine zukunftsfähige und nachhaltige Stadtentwicklung Augsburgs – meist ohne kollegiale Unterstützung. Ich werde das weiter tun und Versäumnisse, Gleichgültigkeit und Untätigkeit reklamieren, die mit der Ohnmacht gegenüber Verwaltung, Politik und Stadtwerken entschuldigt wird.

    Architektur ist Stadtpolitik und war es spätestens seit der griechischen Polis. Dabei spielen Rampenlängen von Tunneln eine zweitrangige Rolle.

    Deinen Hinweis auf Luigi Snozzi finde ich interessant, weil Snozzi einer ist, der „die Stadt liebt“! Er hat behutsam die Umgestaltung von Monte Carasso geplant mit herausragender Bauqualität, die bisher in Augsburg selten so zu finden ist.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Monte_Carasso

    Über die Frage, ob der einzige Zentralpark der Stadt zerstört werden darf, um Platz zu schaffen für einen Straßenbahnhof und ein gestreiftes Platzdreieck muss in der Öffentlichkeit nach Sinn und Verstand hinterfragt werden.

    Für eine „architektonische Erneuerung“ wurde der Park am Gesundbrunnen zerstört. Angesichts der planerischen Leistung, die Anlass für die Zerstörung war, darf am Verstand der Zerstörung gezweifelt werden.

    Du machst Dir Sorgen darüber, dass mir berufspolitischer Ärger ins Haus steht, wenn ich die Dinge beim Namen nenne?

    Ich mache mir Sorgen darüber, ob einige Architekten ihrer Verantwortung gerecht werden, die sie der Stadtgesellschaft gegenüber verpflichtet sind. Denn zu dienen haben wir nicht dem Bürgermeister, dem Baureferat, den Stadtwerken und der Wohnungsbaugesellschaft sondern den Bürgern.

    Insofern bin ich in architektonischer Hinsicht nahe beim Sozialisten Luigi Snozzi dessen unermüdlicher Einsatz der Bürgerschaft und ihrem Lebensraum gilt.

    Obwohl modern, ist Snozzis Architektursprache Poesi und wirkt nie modisch.
    Sein Credo lautet: „Architektur muss man nicht erfinden, man muss sie nur wiederfinden.“ Dies gilt auch für unsere Stadt!

    Wenn der Dialog den Weg nicht in die Häuser findet, wird er auf der Straße geführt. Das wissen wir spätestens seit den Jahren um 1970. Mag sein, dass deshalb in Stuttgart die Demonstranten aussehen wie Opas. Die, die heute um die 50 sind, hatten damals noch Schultüten im Arm. Vielleicht müssen die das noch lernen!

    Volker Schafitel, Verbandsfreier Architekt

  5. Schiessler sagt:

    Diese ganze Baumdiskussion ist doch nur ein Sinnbild für die Angst vor Veränderung. Nicht falsch verstehen, Grünanlagen und damit auch Bäume haben große Bedeutung in den Innenstädten, aber es ist trotzdem Vorsicht geboten, daß Bäume nicht als Instrument zur Blockade vorgeschoben werden.

    Vielleicht sollte besser das gesamte Verhalten in Bezug auf die Umweltverträglichkeit überdacht werden, statt die Angst vor Veränderung zu schüren.
    Ziel muß es sein, für etwas zu kämpfen z.B. flächendeckend Tempo 30 oder kostenfreien ÖPNV, statt am Status quo mit Lärm und Autodreck festzuhalten.
    Ja, das gibt es, einen kostenfreien ÖPNV. Für Interessierte: http://de.wikipedia.org/wiki/Personennahverkehr_in_Hasselt
    http://toerisme.hasselt.be/du/content/4404/met-de-bus.html)

    Das ist die Lösung für Augsburg, statt nach einem Tunnel zu rufen oder zusätzlichen und günstigen Parkraum in der Innenstadt zu fordern. (Einzelhandelsgutachten) Beide Vorschläge erhöhen zwangsläufig die Autofrequenz und damit die Lärm- und Schmutzbelastung (Grenzwertüberschreitung bereits im Mai) und sind somit Konzepte von Vorgestern.

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