Amateurliga

Nackt steht sie da. Das könnte gut aussehen, hätte der Architekt sie von vorneherein so konzipiert – hat er aber nicht – und deswegen sieht das nicht gut aus! So steht, an der exponierten südlichen Stadtzufahrt eine Unterkonstruktion mit primitiven Rohrquerstreben als Aussteifung die nach „Verkleidung“ schreit. Sie wird sich heißer schreien, wie die Fans im Inneren, vorrausgesetzt der FCA schießt Tore, weil der Stadtrat heute die „Unvollendete“ besiegelt aus Angst vor den Fans! 

Dem Artikel in der AZ von Angela Bachmair ist nichts hinzuzufügen, er trifft ins (gegnerische) „Tor“ !

Eine Anmerkung noch: Einer in der Stadt ist angetreten und wollte Kultur und Sport zusammenbringen. Er wird seither KUSPO genannt. Hier hätte er die Möglichkeit das eindrucksvoll zu demonstieren! Aber sein Verein sieht in der „Werbemöglichkeit der noch zu bauenden Fassade einen positiven Nebeneffekt“ – wie auch immer das gemeint ist, ich glaube, mit Kultur hat das nichts zu tun!

Interessant ist für mich als Architekt, dass „clevere Manager“ und „erfolgreiche Geschäftsleute“ Millionenverträge mit der Stadt abschließen mit einer Bauverpflichtung für die Fassade und dafür, wenn es an die Vertragserfüllung geht, keine Rücklagen gebildet haben. Begründung: „.. weil wir sie nicht haben..“).  

Die Fassade wird zum Spielball, überschreibt die AZ ! Der Vergleich mit einem Spiel verharmlost die Angelegenheit aber. Eher blasen clevere Manager zur Treibjagd und setzen eine heulende Fanmeute gegen 60 zum Abschuss frei gegebene Ratshasen.  Denen schlottern beim Gedanken an einen Sitzungssaal voller FCA-Schal-Trägern die Beine zumal sie sich noch nicht ganz von den AEV-Fans und deren Mullbinden über den Augen erholt haben.

Merken muss man sich als Architekt und Bauherr diese Entscheidung der Ratsherren für den Fall, dass dem kleinen Häuslebauer wieder mal eine Absage aus städtebaulicher Sicht für ein paar m2 Balkon in der Alststadt erteilt wird oder die Herrn aus Rat und Verwaltung das hohe Lied der Stadtgestaltung anstimmen. Einen besseren Präzendenzfall wie diesen, wo eine wichtige gestalterische  Genehmigungsauflage deswegen fallen gelassen wird, weil der Bauherr sein Geld an „wichtigerer Stelle“ ausgeben muss, gibt es nicht! So eine Begründung hat jeder in der Tasche!

Freuen wir uns nochmal mit dem Planer über die kosten-kreative Idee der beleuchteten Rohrfassade, mit der er  versucht hat, den „cleveren Managern“ eine Brücke vom Sport zur Kultur zu bauen. Leider vergebens!

Rohrfassade in Stadtfarben beleuchtet

Rohrfassade in Stadtfarben beleuchtet

Nach dem Aufstieg skandierten die FCA-Fans “ NIE MEHR 2.LIGA „! Mit der Entscheidung heute im Stadtrat gegen die Fassade steigt jedenfalls ihr Stadion in die AMATEURLIGA ab!

Volker Schafitel, Architekt

4 Kommentare

  1. Ott sagt:

    Genial!
    Gruß Wolfgang

  2. Johannes Voit, Architekt sagt:

    Architektur – Cancelled –

    Dies ist in Augsburg seit dreieinhalb Jahren scheinbar die oberste Devise der neuen Stadtregierung, wie aus meiner Sicht in vielen Artikeln auf dieser Internetseite eindrucksvoll belegt wird. Sämtliche Bauprojekte der Stadt, ob das das Fußball oder Eishockeystadion, die Neugestaltung des Bahnhofs und der Innenstadt oder das Theater kommen neuerdings völlig ohne Architektur aus. So viele leere Versprechungen hinsichtlich einer angeblichen baukulturellen Ambition der Verantwortlichen sind in dieser Stadt lange nicht gemacht worden. Das Unverständliche an dieser Entwicklung ist allerdings, dass die Regierenden die ihnen ewig schon lästige Architektur offensichtlich fast ohne Widerstand loswerden…

  3. KONRAD Lioba sagt:

    Hr. Schafitel hat – ein weiteres Mal – wieder sooo recht!!

    Den „Hasenfüßen“ in unserem Rat schlottern aus Angst (vor dem künftigen Wahlverhalten der Fußball-Fans??) anscheinend dermaßen die Knie, dass sie (nur in diesem Fall!!) nicht den Mut auf bringen, auf einer Einhaltung der Bauverpflichtung zu bestehen…

    Jedesmal wenn ich an diesem traurigen „Rohbau“ vorbei fahren muß, schäme ich mich für meine Geburtsstadt……..

    Dabei sollten die Verantwortlichen schon aus Stolz darüber, auf gestiegen zu sein, ihr Stadion (sehenswert!) vollenden.
    Doch dazu fehlt es ihnen anscheinend am nötigen Selbstbewußtsein – trauen sie sich nicht zu, dort zu bleiben wo sie an gekommen sind und…offensichtlich findet sich auch kein Sponsor der das täte!

    Bittet doch den „Fußball-Pfarrer“ Mayr (Anm.: Herbert, Lorenz) wieder um die „Weihe“ einer Kerze…….

  4. robertpfeiler sagt:

    Das ist doch wieder soooo typisch für Augs(ch)burg! Ein Murks wie im Eisstadion! Kein wirklicher Anspruch dahinter! Nicht zu Ende gedacht, oder auch nicht zu Ende gebracht! Auf halben Weg zerstritten, oder plötzlich das Konzept geändert, wie z.B. am Neubau der FH, an der „Schüleschen Katunfabrik“ etc. … In München wird geklotzt in Augsburg wird fast nur gekleckert! … Dieses unverkleidete Stadion ist doch nur ein Beispiel von vielen! … Ja und es begrüßt nun eine hässlich, bis total langweilige Beton-Fertigteil-Halle alle Besucher aus Süden kommend und stimmt sie ein auf den Augsburger Dilettantismus und das Klein-Klein einer Stadt, die auch so immer mehr zur reinen Schlafstadt von München wird! Gute Nacht Augsburg! Welcome to greater Munich!

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