…. sind der Tod vom Hasenschlot!

Die Tage sind gezählt! Wo andernorts verfallene innerstädtische Industriebrachen neu aufgerichtet und einem Kultur-Wohn-Büronutzungsmix zugeführt werden, räumt Augsburg seine Industriegeschichte ab und ersetzt diese mit banaler Bauträgerei – Plattfuß statt kultureller Fußabdruck! Startschuss dazu war ein unsensibler Bebauungsplan, der z.B. Spazierwege mitten durch den gewaltigen Industrieschlot festlegt. Hierzu ging ein Brief von Dr. B. Dornach (Unimarketing) an das Architekturforum

Kamine als Markenartikel Augsburgs

Kein Mensch wird guten Gewissens behaupten können, dass die Bebauung der Maxhöfe in Augsburgs bester Innenstadtlage von zukunftsorientierter Architekturqualität zeugt. Auch die zu erwartende Bebauung des Geländes der Goldenen Gans lässt keine Akzente einer gezielten städtebaulichen Entwicklung erkennen und ist letztlich ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der lukrativen Verwertung beplant. Zug um Zug steht nunmehr der nächste Abbruch der Hasenbrauerei an, wobei auch hier, wie jüngst im Falle der Goldenen Gans, der Kamin fallen soll.

Auch buchstäblich in letzter Minute sollte nichts unversucht bleiben, um darauf hinzuweisen, dass hier wertvollstes Potential für die langfristig gedachte Identität dieser Stadt unwiederbringlich zerstört wird. Nach all dem, was an Wissen und Erfahrungen über die Bedeutung historischer Bausubstanz, gerade in Augsburg, aktuell bereits vorhanden ist, werden wir diese rein lukrativ orientierte und kurzfristig gedachte Zerstörung den nächsten Generationen nur schwer erklären können.

Unter Marketinggesichtspunkten sind die letzten verbleibenden Kamine ein wertvolles Markenzeichen für die Tradition der Industriekultur, mit der diese Stadt groß geworden ist. Diese Markenzeichen dienen wie jede andere gute Marke als Orientierung und Kompetenzträger. Ähnliche Werte mit derartiger Authentizität und Sympathie sind heute im Stadtbild nicht mehr herzustellen.

Hasenschlot - Foto Dr. Dornach

Hasenschlot - Foto Dr. Dornach

Wer dies erleben möchte, sollte schnellstens selbst einen Blick in die Gassen des Bereichs der oberen Maxstraße oder der Konrad Adenauer Allee mit Blick auf den Kamin werfen. So ist der noch stehende Kamin der Hasenbrauerei mit seinem Brauereiumfeld sogar in der Lage, die aktuellen Bausünden der Maxhöfe mit Charme aufzuwerten (vgl. Bild).

Auch rein kommerziell getriebene Investoren können unter diesem Blickwinkel den Wert ihrer Bebauungen neu bemessen. Langfristig lohnt es sich garantiert, einen Weg um den Kamin herumzubauen und die Chancen des Erhalts und der kreativen Nutzung bestehender Bausubstanz zu überdenken.


Dr. Bernd W. Dornach, UNI MARKETING, Augsburg

8 Kommentare

  1. KONRAD Lioba sagt:

    Danke für Ihren Einsatz Hr. Dr. Dornach …wie Recht Sie haben!!! In Augsburg (und leider auch im benachbarten Neusäß) wird ganz offensichtlich nur nach wirtschaftlichen, bzw. Rendite-Gesichtspunkten entschieden. Der Geschichte (der Wurzeln einer Stadt)wird verschwindend wenig Beachtung geschenkt. Daran wäre dringend etwas zu ändern, damit nicht auch noch die letzten Reste der Modernisierungs-Wut zum Opfer fallen. Würde in jeder Stadt – ähnlich – alles dem Profit geopfert, nähme nicht zu Letzt auch der Tourismus Schaden…hat man eine Stadt gesehen, weiß man wie die anderen aussehen!!!

  2. gerdi Spengler sagt:

    Traurig zum Anschauen, echt schade um die schönen alten Gebäude. Als langjähriges Mitglied der Nürnberger Altstadtfreunde weiß ich zu schätzen, was Einsatz und Beharrlichkeit für eine Stadt bedeuten beim Erhalt des Stadtbildes…. In Nbg. wurden zahllose Schönheiten gerettet,nur durch Ehrenamt und Spenden, prachtvolle Fachwerkhäuser wurden in ihrer alten Schönheit wieder erstellt oder renoviert. Zur Zeit sogar ein weltberühmtes Renaissancehaus im ital. Prunkstil: das Pellerhaus! Schade daß in Augburg nun wieder mal derart seelen-lose Neubauklötze entstehen, das Flair von Augsburg leidet…

  3. Anwohner sagt:

    Und demnächst fällt die alte Mälzerei in der Kapuzinergasse der Profitgier zum Opfer! Ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen!!!!

  4. vs sagt:

    Weniger Profitgier als Dummheit! Andernorts wird mit der Umwidmung alten Brauereien zu Loftwohnungen und Büros Geld verdient! Hier fehlen Ideen und der Horizont endet im Westen an der Wertach und im Osten am Lech!

  5. vs sagt:

    Dafür gibts in Augsburg “ die Architektur der Erinnerung“:
    http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Architektur-der-Erinnerung-id22724021.html

  6. Anwohner sagt:

    Wahre Worte! Was momentan architektonisch in der Augsburger Innenstadt alles zerstört wird ist einfach nur traurig nicht zu rechtfertigen!

  7. stadtbürger sagt:

    Hah! Dieser Erinnerungskäse. Echte Realsatire möchte man meinen aber leider wahr. aber es steht ja schon im artikel: „… auf Harmonie bedacht…“. Muss man dazu noch mehr sagen?

  8. vs sagt:

    http://www.architekturforum-augsburg.de/archives/2148#more-2148

    Dies zur Erinnerung wie es dort im Sommer 2012 noch ausgesehen hat. Kein Denkmalschutz, keine Heimatpflege, kein Baureferent hielten das für erhaltenswert!

    Man will es nicht glauben, dass so etwas im 21.Jh. noch möglich ist!

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