Pi(a)zza delle Esperti

„Hauptbedingung eines Platzes ist die Geschlossenheit des Raumes. Diese wichtigste, geradezu unerlässliche Vorbedingung jeder künstlerischen Wirkung, kennt der moderne Städtebau nicht. Heute wird freilich auch der bloße leere Raum so benannt, welcher entsteht, wenn eine von vier Straßen umsäumte Baustelle einfach unverbaut bleiben soll.“! Dies schreibt der Städteplaner Camillo Sitte in seinem Standartwerk „Der Städtebau“ schon im Jahre 1889. (Bild: Piazza d´Erbe, Verona) 

An diesen Grundlagen hat sich bis heute nichts geändert und es erstaunt, mit welcher Leichtigkeit sich studierte Planer und „Experten“ 120 Jahre später immer noch darüber hinwegsetzen.

Der neue Königsplatz weist beispielhaft alle schlechten Eigenschaften auf, die Camillo Sitte in seinem Basiswerk im 19. Jh. anprangert: Keine Geschlossenheit, Ausrichtung am Verkehr, willkürliche Bepflanzung und Möblierung. Aus den beiden „Dreiecksplätzen“ wurden zwei fette gespreizte Schenkel, auf denen sich die Verkehrswege wie Krampfadern abzeichnen und die Baumausschnitte wie Pigmentstörungen wirken.

Granitpflasterbelag soll einen Bruch der Platzgestaltung durch die über den Platz verlaufende Gleisbereiche vermeiden„, so die Beschlussvorlage! Dass dies Unsinn ist, wird in der kurzen Maximilianstraße deutlich, wo sich die Granitgehwege deutlich vom Granitpflaster der Straße absetzen.

Auch die „Entlastungsstraße oder Bypass“ soll sich lt. Beschlussvorlage „in die Platzgestaltung einfügen„. Auf dem Umsteigeplatz selbst variieren Streifen aus Natursteinbelag der Bahnsteige und Asphalt-Mörtel-Mix-Trassen im Gleisbereich, deren Ausläufer in den „Manzubogenplatz“ hineinreichen.

Der Plan für das „Materialkonzept„, den Stadtplanungsamt und Tiefbauamt, dem Stadtrat vorlegte, enthält weder den Manzubogen noch den neuen Brunnenstandort im Restzwickel vor Salamander. Deutlich zeigt er die Dominanz des Verkehrs, welche von Sitte verurteilt wird.

Diese Fläche ist kein Platz sondern das Planungsergebnis eines gefügigen Preisträgers, eines Bankers als Nahverkehrsexperte, des Städtebauexperten Prof. Topp und Experten aus Stadtplanungsamt und Tiefbauamt.

Weil viele Köche den Brei verderben sollte sie heißen „Pi(a)zza delle Esperti„!

V. Schafitel, 1.Vorsitzender

Beschlussvorlage Stadtrat 29.09.2011

1 Kommentar

  1. KONRAD Lioba sagt:

    Stimmt! Denn „Königsplatz“ ist dieses Machwerk am Ende kaum mehr zu titulieren…..

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