Der (IHK)-Adler kreist

Mit der Bebauung des Theodor-Heuss-Platzes durch die IHK würde eine weiteres Mal die Umsetzung des Ideenwettbewerbs Innenstadt missachtet, der dort einen begrünten Platz mit Wasserfläche vorsieht.  Planzeichnung B-Plan 500

Zwischenzetilich hat sich eine Initiative „Freier Theodor-Heuss-Platz“ gebildet, die der Politik und der IHK die Stirn bietet! 

Wie kommt überhaupt ein Wirtschaftsverband auf die Idee, sein Schulungszentrum in einen öffentlichen Park zu bauen der erst vor 5 Monaten im Bebauungsplan 500 als solcher deklariert wurde! Trotz dieser klaren Festlegung erwärmt sich die SPD für die Idee und die CSU ist noch ohne Meinung.

Beide Parteien haben dem BPlan 500 Anfang des Jahres 2012 beschlossen!

Die Stadtregierung beteuert unentwegt, dass Sie den Ideenwettbewerb 1:1 umsetzt. Kein Protest kommt auch von Preisträger Wunderle, dessen Platzidee zur Bebauungsidee mutieren könnte?

Originaltext 1. Preis: „Den südlichen Abschluss des „Augsburg-Boulevards“ bildet der neu gestaltete Theodor-Heuss-Platz, dessen Zugänglichkeit und Nutzbarkeit gesteigert werden sollen.“

Für den forschen Vorstoß der IHK gibt es 2 mögliche Gründe:

1. Es fanden bereits Gespräche bzw. Verhandlungen mit der Stadtregierung statt
2. Der Vorstoß soll abschrecken um ein wirklich gewolltes Projekt realisieren zu können

Immerhin hat die IHK vor ziemlich genau 5 Jahren ein Grundstück mit Gebäude an der Neidhartstraße 32 für 1,2 Mio Euro erworben „ um ihr Areal abzurunden“ (AZ v. 19.06.2007). Schon damals wurde vermutet, dass das MultiMediaZentrums an der Uni an den IHK Standort verlagert werden soll. Die Nutzungsbindung des MMZ an der Uni läuft 2014 aus – der Zeitplan für den Neubau am THPl. würde also genau passen! 2007 wurde ein Verlagerung noch strikt verneint!

Im Kommentar der AZ wurde 2007 wird vermutet, dass die damalige „180-Grad-Wandlung in Sachen Königsplatz-Umbau (erst war die IHK dagegen, dann dafür) , mit dem geplanten Projekt zu tun hat „! „Ein kniffeliges Bauprojekt“, so der Kommentar, „ braucht Wohlwollen der Bauverwaltung“!

Tatsächlich würde die geplante Erweiterung des MMZ (rechter Plan, grün schraffiert) gut an die Stelle des Wohnhauses in der Neidhartstraße 32 passen. Dort ist aber sicher mit Anliegereinwänden zu rechnen, besonders wenn auch eine Tiefgaragenzufahrt dort geplant wäre. Diese ist denkbar, weil durch den BPlan 500 auf der Stettenstraße Dauerstau vor der bisherigen IHK-Zufahrt droht!

Harte IHK-Grenze zum öffentlichen Park westl. der Bismarckstraße

Harte IHK-Grenze zum öffentlichen Park westl. der Bismarckstraße

Dr. Lintner von der IHK bietet als Ersatz für die Bebauung eines ganzen öffentlichen Parks den Zugang zu einem abgegrenzten Garten der IHK jenseits des Zaunes an, der den öffentlichen Park westlich der Bismarckstraße vom IHK-Gelände trennt. Ein mageres Angebot, wenn man den Lageplan (Oben Plan Mitte) betrachtet. In den letzten Jahren hat die IHK nahezu den gesamten Park an der Stettenstraße bebaut. Selbst unterirdisch wurden Schulungsräume erstellt (gestrichelte Linien)! Übrigens gehört dieser Park, wie der am KÖ und der am CFS zum geschützten Altstadtgrüngürtel, der durch das Großprojekt MDA substantiell gerodet wird.

Unterbauter IHK-Park mit englischem Rasen - öffentliche Nutzung?

Unterbauter IHK-Park mit englischem Rasen - öffentliche Nutzung?

Neben der völlig absurden Möglichkeit, tatsächlich den öffentlichen Parkt zu bebauen, könnte der IHK Vorstoß auch ein Ablenkungsmanöver sein, um einen Sturm der Entrüstung auszulösen, auf dessen Höhepunkt „JEMAND“ die Angelegenheit zur „CHEFSACHE“ erklärt, mit der großartigen Idee, das Projekt in den Park an der Neidhartstraße zu stellen, einschl. einer Tiefgaragenzufahrt. Dahin wo man eigentlich immer schon hin wollte. Die Baumfällungen dort würden dann dem öffentlichen Park geopfert.

Wir warten ab, wohin sich das Projekt entwickelt und auf welche Beute sich der Adler stürzt!

Artikel als PDF zum Weiterleiten

AZ v. 18.07.2012

AZ v. 19.07.2012

Planzeichnung B-Plan 500

S.14 und S.49 BPlan 500 – Königspl. und Augsburgboulevard

Teil 2: 11.08.2012 – Bürgerinitiative

Zwischenzeitlich hat sich am Theodor-Heuss-Platz eine Bürgerinitiative gebildet, die entschlossen ist, für den Erhalt des Parks notfalls mit den, besonders in Augsburg bekannten „demokratischen Mitteln“ zu kämpfen.

Initiative am Theodor-Heuss-Platz

Die IHK lädt die Bürger am 13. August und 11. September 2012, jeweils von 17:00 bis 19:00 in die IHK, Jakob-Fugger-Saal, Stettenstraße 1+3, 86150 Augsburg zur Informationsveranstaltung ein. In der Einladung ist zu lesen, dass man bei Gesprächen mit Vertretern des Stadtrates auf „grundsätzlich positive Resonanz“ (für das Projekt) gestoßen sei!

Einladung IHK Juli 2012

AZ09.08.2012-IHK will anwohner aufklären

AZ14.08.2012 – IHK geht auf Bürger zu

AZ-09.08.2012-IHK will Anwohner informieren

AZ-04.09.2012-Grüner Park oderer Bildungszenturm

DAZ-14.09.2012 – Grüne gegen Bebauung

DAZ-15.09.2012 – Das Spiel ist aus

V. Schafitel, 1. Vorsitzender

3 Kommentare

  1. Harvest sagt:

    Wenn die Verschwörungstheorien zutreffen, droht dem „Park“ am Theodor-Heuss-Platz ohnehin keine Gefahr.

    Wenn nicht, dann wird die einmalige Chance vertan, an einer prominenten Stelle der Stadt ein markantes repräsentables modernes Bauwerk zu errichten. Dieses könnte gleichzeitig den Blick von den wahrlich wenig ansehnlichen Nachkriegshochbauten am THP abziehen und die Sichtachse auf den Platz von Norden kommend deutlich aufwerten.

    Warum erkennt ein Architekt diese Chance nicht, behandelt sie nicht einmal sachlich inhaltlich und reitet nur wieder sein Lieblingssteckenpferd Grünpflege und Opponieren gegen die Stadtregierung? Wenigstens eine Abwägung der Interessenslagen wäre zu erwarten gewesen.

    Natürlich haben Freiräume für Aufenthalt und Entspannung gerade in der Innenstadt ihre besondere Bedeutung. Nur gibt es in diesem Bereich der City ausreichend solche fußläufig zu erreichen auch für die Bismarckviertler.

    Wenn die IHK die Fläche, die sie angeblich bebauen will, ersetzt – meinetwegen durch Öffnung ihres Parkes, besser noch über den langfristigen Abriss des Gebäudes Neidhartstraße 32 und Anlegung eines Ersatzparkes dort – dann wäre das eine einmalige Chance für eine Entwicklung des Stadtbildes an THP. Man könnte das Gebäude dabei so planen, dass der Blick auf das schöne alte Eckgebäude zu Beginn der Bismarckstraße frei bleibt.

    Dass Herr Wunderle sich nicht negativ äußert hat vllt. ja auch damit etwas zu tun.

    Zerstört würde jedenfalls nichts. Der bestehende Zustand ist seit vielen Jahren traurig bis erbärmlich. Es geht also darum, ob man den gesamten Platz architektonisch aufwerten kann. Meiner Ansicht nach bestünde dazu die Möglichkeit, so die IHK dort tatsächlich bereit wäre mit viel Geld etwas Spektakuläres hinzustellen. Dem Platz würde es gut anstehen. Besser als ein Minipark mit Wasserspielen – der wäre hinter der IHK für alle besser aufgehoben. Ein Hofgartenpedant im Rücken der Handelskammer, das hätte doch was.

    Ich halte den allgemeinen Aufschrei für kurzsichtig wenngleich von den betroffenen Anwohnern der Hochhäuser am Heussplatz verständlich und erwartbar, aber deren Belange müssten halt zurücktreten. Im Sinne einer Weiterentwicklung unserer innstädtischen Hochbaukultur.

  2. vs sagt:

    „Warum erkennt ein Architekt diese Chance nicht, behandelt sie nicht einmal sachlich inhaltlich und reitet nur wieder sein Lieblingssteckenpferd Grünpflege und Opponieren gegen die Stadtregierung? Wenigstens eine Abwägung der Interessenslagen wäre zu erwarten gewesen“.

    Sehr geehrter Harvest,
    erst mal Danke für Ihren Beitrag, der dieses Forum belebt, eine andere Sichtweise zeigt und somit zu einer Interessensabwägung beiträgt.

    Dass ich ein starker Verfechter des Innenstadtgüns bin, gebe ich gerne zu. Da befinde ich mich in besster Gesellschaft: http://die-gruene-stadt.de/

    Mit meiner oppositionellen Haltung gegenüber der Stadtregierung hat mein Bericht weniger zu tun, da ja der Protagonist die IHK ist, deren Zwangsmitglied ich sogar bin.

    Allerdings wundere ich mich über die weiche Haltung der CSU aber auch der SPD, die ja nicht der Stadtregierung angehört. Das neutralisiert hoffentlich meinen Beitrag.

    Es gibt kaum Beispiele in dieser Stadt, die eine Bebauung an markanter Stelle rechtfertigen weil eine „Chance“ wahrgenommen wurde. Oft hat sich die Situation verschlechtert. Die einzig positive Stelle, die mir einfällt, ist das Patriziagebäude an der Fuggerstraße.

    Wenn Herr Wunderle eine Bebauung besser findet, hätte er diese ja in seinem Wettbewerbsentwurf vorschlagen können. Hat er aber nicht!

    Grundstäztlich bin ich aber der Meinung, dass Bürger und Anwohner nie zurücktreten müssen, denn sie sind es die „STADT“ ausmachen, weniger neue Gebäude.

  3. stadtbürger sagt:

    @harvest:
    Was heisst hier „einmalige“ Chance?
    Nur weil der potentielle Bauherr eines Gebäudes quasi institutionell ist, heisst das noch lange nicht, dass damit auch entsprechende Qualität gebaut wird.
    Vielleicht sollten Sie sich einmal die Frage stellen, mit welcher Berechtigung eine Institution wie die IHK einen öffentlichen Platz an so prominenter Stelle bebauen darf? Mit derselben Berechtigung könnte dann eigentlich auch jeder andere Bauträger beginnen, ihm genehme öffentliche Flecken in der Stadt mit schicken Bauprojekten oder wie Sie es nennen „einmaligen Chancen“ zuzupflastern.
    Es stört mich einfach, wie hier mit öffentlichem Grün umgegangen wird, gerade dann, wenn es durch den permanenten Rückgang des Pflegebudgets in der städtischen Grünverwaltung etwas in die Jahre gekommen ist und nicht mehr dem schicken Mainstream-Geschmack entspricht.
    Nicht alles in einer Stadt muss immer schick und toll und herausgeputzt sein. Mir ist die genaue Erstellung der Parkanlage nicht bekannt, aber es sieht ein wenig nach dem morbiden Charme der 50/60er aus. Auch solche Ecken sollten bewahrt bleiben, haben eine Daseinsberechtigung und zeigen uns eine stilistische Entwicklung über die Jahre auf.
    Was Ihre These der ach so guten Ausstattung der Bismarckviertler mit Grünflächen betrifft, so kann ich dieser nur unter der Bewertung in Bezug auf die Gesamtinnenstadt zustimmen, allerdings ist es da so wie beim Einarmigen unter den Blinden: Nur weil es im Bismarckviertel scheinbar eine gute Ausstattung mit Grünflächen gibt (wo denn eigentlich???), berechtigt das nicht zur Schlussfolgerung diese gleich wieder durch die Bebauung des THP zu reduzieren.
    Im übrigen ist die angedachte Öffnung des IHK Geländes als Ersatzfläche eher Augenwischerei und dient m.E. nur der Besänftigung… . Ich stelle mir gerade vor, wie spielende Kinder da durchs Gelände tollen, andere Nutzer gemütlich ihre Getränke auspacken und konsumieren – und das alles abhängig von dem „goodwill“ einer Institution. Mit öffentlichem Eigentum und entsprechenden Nutzungsrechten hat das herzlich wenig zu tun.

Ihr Kommentar

Bitte beachten: Bis zum Erscheinen Ihres Kommentares können einige Minuten vergehen.