MAXTRAM

Verkehrsplaner, Städteplaner, Politiker, Stadtwerkemanager, Stararchitekten und Denkmalschützer haben ein gemeinsames Problem: Darf in Europas bedeutender Prachtstraße eine Straßenbahn fahren? Sulo-Mülltonnen am Wochenende, Verkehrsschilder, Parkautomaten und Parkplätze zu beiden Seiten, auch Autos, Lastwagen, Busse, Soundcarcorsos, Biervehicel – alles hinnehmbar – aber die böse Tram darf nicht sein, weil sie die Fronleichnamsprozession und die Spontanpartys internationaler Fußballfans stört. 

Dabei finden die „Normalbürger“ und Fahrgäste die Tram durch „Ihre“ Maxstraße immer besser, seit dem die Zukunftsbaustelle am KÖ aus der Linie 1,3,4 und 6 die Linien 13 und 64 durch die Maxstraße gemacht hat. Die beiden Linien fahren dort unbeeindruckt über einstürzende Keller, an wackelnden historischen Fassaden vorbei auf Schienen, die eigentlich gar nicht für den Linienbetrieb geeignet sind. Der mehrfache Umleitungsverkehr einer normalen Tramlinie hebelt so in einem unwiderlegbaren CRASHTEST alle noch so dämlichen Gegenargumente der Maxtram aus. „Bled gloffa“ , wie der Augsburger sagen würde!

Historische Maxtram 1910

Historische Maxtram 1910

Die jetzt aufkommende Begehrlichkeit einer Tramlinie durch die Maximilianstraße entsteht durch die „gefühlten“ Vorteile, welche die Fahrgäste durch den derzeitigen „Baustellenverkehr“ wahrnehmen.
Die Linienführung durch die Maxstraße erhielt ihr „rechnerisches AUS“ durch die Tramhaltestelle unter dem Hbf, die so teuer ist, dass Optimierungsrechnungen der Umsteigezahlen am Kö, die Unwirtschaftlichkeit der Maßnahme am Hbf einigermaßen ausgleichen müssen. Wenn Fahrgäste zu Recheneinheiten gemacht werden, treten deren Bedürfnisse in den Hintergrund.

Der Ideenwettbewerb mit dem Verkehrsplaner Billinger aus Stuttgart, forderte im Masterplan eine Tramlinie durch die Maxstraße. Obwohl Gribl eine 1:1 Umsetzung des Wettbewerbs versprach, knickte er gegenüber Walter ein und übernahm das fahrgastfeindliche Linienkonzept der SWA. Prof. Billinger wurde umgangen und ausgeschaltet!

Auf dem Masterplan (1.Preis) findet man auch die Tramlinie durch Maxstraße und Karlstraße und erkennt deutlich statt der teuren Bahnhofsuntertunnelung die Tramhaltestelle unter der Viktoriastraße!

Masterplan Ideenwettbewerb 1.Preis, Verkehrsplaner Prof. Billinger Stuttgart 2008

Masterplan Ideenwettbewerb 1.Preis, Verkehrsplaner Prof. Billinger Stuttgart 2008

Im Wettbewerb (1.Preis) entwirrte Billinger auch den von Walter und Wengert geplante „Gleissalat“ am KÖ mit dem Ergebnis, dass es nur noch einen Südbahnsteig gab statt jetzt zwei. Auch hier setzte sich die SWA mit Hilfe Gribls gegen die Verkehrsplanung des Wettbewerbs durch! Ohne Billinger wurde die ÖPNV-Planung wieder in das alte SWA-Konzept vor dem Wettbewerb zurückgeführt.

Haltestelle an KÖ laut Ideenwettbewerb 1.Preis, Verkehrsplaner Prof. Billinger Stuttgart 2008

Haltestelle an KÖ laut Ideenwettbewerb 1.Preis, Verkehrsplaner Prof. Billinger Stuttgart 2008

In einer verzweifelten Mail schrieb damals Billinger:

„Herr Wunderle hat sich intensiv mit dem Straßenbahntunnel unterm Bahnhof auseinandergesetzt. Das hat aber leider nicht dazu geführt, dass noch mehr Leuten der Irrweg deutlich geworden ist. Unsere Gruppe getraut sich nicht, zu sagen, der Straßenbahntunnel unterm Hauptbahnhof ist Quatsch. „

Der über Jahrzehnte konsequent entwickelte und fortgeschriebene Gesamtverkehrsplan der Stadt Augsburg wurde wegen einer unwirtschaftlichen Haltestelle unter dem Bahnhof von Walter und Wengert über den Haufen geworfen. Gribl hat, trotz besseren Wissens, diese Fehlplanung aufgenommen und weitergeführt. Der GVP sieht eindeutig eine Linie durch die Maximilianstraße vor.

Auf Seite 46 der Fortschreibung 1996 steht :

Im Innenstadtbereich wird der ÖPNV zukünftig in mehreren Umsteigepunkten verknüpft. Die Probleme durch die Konzentration nahezu aller Umsteigebeziehungen am Königsplatz (gegenseitige Behinderungen der Fahrzeuge , zu geringe Bahnsteigflächen) müssen entschärft und die Erschließung der Innenstadt verbessert werden.

Statt dieser Erkenntnis zu folgen, hat man nun noch mehr Umsteigebeziehungen auf den Kö konzentriert und die bessere Erschließung der Innenstadt durch die Linie Maxstraße verhindert.

Bisheriger Gesamtverkehrsplan der Stadt Augsburg Stand 1996

Bisheriger Gesamtverkehrsplan der Stadt Augsburg Stand 1996

Selbst die SWA hat im Maßnahmenkonzept der MDA die Linie 2 durch die Maxstraße gezeichnet. Realisiert wurde dies aber nicht weil sonst das Zahlenwerk der standardisierten Bewertung nicht mehr stimmt. Nach der öffentlichen Anhörung zum B-Plan 500 versicherte Norbert Walter, dass er keine Linie in der Maximilianstraße wegen der Standardisierten Bewertung führen kann!

Straßenbahnliniennetz der Mobilitätsdrehscheibe (SWA)

Straßenbahnliniennetz der Mobilitätsdrehscheibe (SWA)

Es ist ja nichts Neues, dass ich nicht zu den Jubelchören der frühren Walter/Wengert und heutigen Walter/Merkle/Gribl-Planung gehöre. Man kann mit Medien und Werbung viel im Vorfeld bewirken und „Zukunftsvisionen“  malen. Doch je mehr man sich der gebauten Realität nähert, wirkt die Kraft der tatsächlichen Bedürfnisse, an denen sich die Planung orientieren muss.

Wenn heute, auf dem Weg in die Zukunft, einige krampfhaft darüber nachdenken, wie sie es anstellen können, endlich nach den Bedürfnissen der Fahrgäste zu bauen, sind sie dafür um 4 Jahre zu spät dran. Das hätten sie besser in der Vergangenheit getan.

Die Bahnsteige und Gleise am Kö für die Linien 2 und 6 sind gerade am Fertigwerden. Dafür sind Fördermittel beantragt. Wenn jetzt der NVP den tatsächlichen Bedürfnissen angepasst wird, stellt dies den KÖ-Umbau in der jetzigen Form in Frage und damit die Förderung – ein Jahrhundertwitz!!

Das Bürgerbegehren Sanierung Maximilianstraße, mit Inhalt einer Tramlinie, wurde von Gribl und der Stadtregierung für rechtlich unzulässig „erklärt“ vermutlich, um sich nicht auf eine Tramlinie in der Maxstraße, die Walters „knappes Rechenwerk“ der standardisierten Bewertung für die MDA ins Wanken bringen könnte,  festlegen zu lassen ! Dagegen läuft, derzeit ruhend eine Verwaltungsgerichtsklage, bis die Forderungen des Begehrens erfüllt sind.

Einen sinnvollen Linienbetrieb von der Fronleichnamsprozession und Spontanpartys abhängig zu machen passt nicht in die Denkstruktur eines Profiplaners, was der Tiefbauamtschef sein sollte. 

Schon dem gesunden Menschenverstand eines Normalbürgers und Fahrgastes kommen bei solchen Aussagen Zweifel auf.  

Der Bebauungsplan 470 – „Maximilianstraße“ (12.08.2011) beinhaltet den Linienbetrieb einer Straßenbahn in der Maximilianstraße! Weshalb die Diskussion?

Auszüge aus dem BPlan 470 bez. Linienbetrieb.

Volker Schafitel, Architekt, 1.Vorsitzender

AZ-9.04.10-Merkle gegen Maxtram

DAZ-12.02.10-Baukunst gegen Tram

AZ-11.10.12-Meine (Max)Tram

AZ-2.11.12- Tramlinie Maxstraße

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