WasSersterben in Augsburg

In einer Veranstaltung zur geplanten „Renaturierung“ des Stempflesee´s, sagte der städtische Forstdirektor:„Wir haben mit dem Siebentischwald einen Brillanten und viele wissen es nicht!“ Dieser Satz gab Anlass zum Nachdenken und Nachschauen! Mit den Slogan WasSerleben unterstützt der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V. die Stadt bei ihrer Bewerbung zum Unesco-Weltkulturerbe.

Hat die Stadt diese Auszeichnung wirklich verdient?

 

Jenseits der „Profi-Naturschützer“, die sich bekannt gemacht haben bei Funk und Fernsehen, die wichtige Bücher schreiben, Wasserfilme drehen, im Stadtwald Biotope und Lehrpfade anlegen und trockene Bäche beschildern, gibt es Augsburger, denen der Siebentischwald ans Herz gewachsen ist, die sich große Sorgen machen, deren Beschwerden aber bei den zuständigen Behörden wenig Reaktion auslösen.

Sie leiden wie die Fische eines „trockengefallenen“ Bachs im Siebentischwald!

Einer dieser „Stadtwaldkümmerer“ ist Bernd Koroknay. Er schreibt regelmäßig Briefe und E-mails an die verschiedenen städtischen Stellen, wenn ihm im Stadtwald auffällt, dass z.B. die Bäche zu wenig Wasser führen oder gar austrocknen: 

Sehr geehrter Herr Schmidt (Untere Naturschutzbehörde),

die Austrocknungen am Bayerbach reichen jetzt bis zum Waldabschnitt Wasserhäusel- Geräumt. Somit sind nun mehr als 2/3 des Gewässers vollständig ausgetrocknet.
Auch der Floßgraben ist im Waldabschnitt Kupferbichl-Geräumt bis an den Bieberdamm vollständig trocken gefallen. Alle größeren Biotop / Flachwasserzonen sind trocken!
Gestern konnte ich nur noch wenige Lachen ausmachen in denen die Fische vom Reiher, Fuchs , sowie zahllosen Ringelnattern gefangen werden.
Oberhalb des Bieberdammes ist der Wasserspiegel bereits um 15 cm gefallen. Der Zulauf oberhalb der Fretzau wird durch eine zunehmende Aussiggerung in bekannte und neue Sohllöcher reduziert. Tendenz wie im Bayerbach zunehmend.

Man muss davon ausgehen dass beide Bäche weiter austrocknen.

Auch die Tümpel am Schießplatz sind bis auf wenige Vertiefungen ausgetrocknet. Das Wasser in den Gumpen hat sich braun verfärbt?

Ich halte diese kurzfristige Entwicklung im Fauna-Flora-Habitat-Naturschutzgebiet aus mehreren Gründen für nicht hinnehmbar! Die Fluss- Teichmuschelvorkommen am Floßgraben sind diesmal sicher hin! Bitte bemühen Sie sich mit um eine sachkundige Lösung unter Einbeziehung aller beteiligten Behörden, so auch das WWA. Ich erlaube mir diese Mail an, nach meinem Dafürhalten, dafür zuständige Behörden zuzuleiten

Vielen Dank
Bernd Koroknay
Singerstraße 7 RG
86159 Augsburg

 

Der „leergefallene“ Floßgraben am Kupferpichel im August 2013

Der „leergefallene“ Floßgraben am Kupferpichel im August 2013

Dabei gibt es viele Zuständige für den Siebentischwald:

Für Bäche und Wege im Stadtwald ist das Tiefbauamt, für die Bäume das Forstamt und für die Brunnen sind die Stadtwerke Augsburg zuständig. Übergeordnete Zuständigkeit für das riesige FAUNA-FLORA-HABITAT-NATUSCHUTZGEBIET STADTWALD hat das Grünordnungsamt als untere Naturschutzbehörde.
Zuständig für die Wassereinleitung und Entnahmen bei den Bächen ist die untere Wasserrechtsbehörde beim Umweltamt der Stadt Augsburg. 

Die oberste Verantwortung in der Stadt trägt hier der Umweltreferent!

Das Wasserwirtschaftsamt ist die technische Gewässeraufsichtsbehörde.
Die Regierung v. Schwaben ist die zuständige Rechtsaufsichtsbehörde!

Offensichtlich fühlt sich keiner der genannten Stellen und Behörden veranlasst, sich dem Problem der aussickernden Bäche anzunehmen. Lediglich das Tiefbauamt hat das Phänomen besichtigt, ohne jedoch Maßnahmen dagegen einzuleiten.

Schweigen die Verantwortlichen, um die, den Bürgern vorgejubelte heile Welt des Augsburger Wassers nicht zu trüben oder die Auszeichnung als UNESCO-WELTKULTURERBE nicht zu gefährden? Durch ihr Nichtstun tragen sie die Mitverantwortung am Niedergang eines der wundervollsten Naturschutzgebiete Bayerns und riskieren darüber hinaus noch die Versorgung unserer Stadt mit dem wertvollen Trinkwasser aus dem Siebentischwald.

Mit der, von einer Praktikantin beim Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V. gefertigten Planung zur „Renaturalisierung des Stempflesees“ begründete OB Gribl seine Ambition, das Augsburger Trinkwasser vor der Aussickerung der „Kloake Stempflesee“ in das Trinkwasserschutzgebiet zu schützen. Dies habe oberste Priorität. Nach dieser Meldung haben wir die Wasserwerte des Zu- und Ablaufs am Stempflesee geprüft und mit Staunen festgestellt, dass der See zwar mikrobakteriell belastet ist, aber bereits der Zigeunerbach, der den Stempflesee durchläuft, und ein Quellbach sein sollte, zu einem großen Teil zu dieser Belastung beiträgt.

Zigeunerbach, Brunnenbach, Floßgraben usw. durchfliesen den gesamten Stadtwald von Königsbrunn bis zum Spickel und sickern in ihren Bachbetten über sogenannte „Sohllöcher“ in das Trinkwasserschutzgebiet aus. Diese Bäche führen kein Quellwasser, sondern Lechwasser, das bis Schongau an den Überläufen der Kläranlagen hängt. Dies relativiert die politische Scheinheiligkeit, mit der über den „trinkwassergefährdenden Holzpflockverbau“ am Stempfelsee diskutiert wurde.

Grundbruch im Bayerbach am Waldkirch – Sohlloch im August 2013

Grundbruch im Bayerbach am Waldkirch – Sohlloch im August 2013

Sohlloch-Grundbruch mit 40cm Durchmesser im Bayerbach-Kupferpichl August 2013

Sohlloch-Grundbruch mit 40cm Durchmesser im Bayerbach-Kupferpichl August 2013

Neben den Sohllöchern tragen auch die Biberbauten dazu bei, dass das Wasser im Stadtwald nicht mehr in der Stadt ankommt. Die „ProfiNaturschützer“ sind entzückt, wenn sich Rückstauflächen bilden, in denen Frösche ablaichen können. Gleichzeitig erhöhen diese Aufstaubereiche die Versickerungsfläche, und es geht noch mehr Wasser aus den Bächen in den Boden.

Am Ende haben auch die herangezüchteten Biotopbewohner nichts von der Sache. Biberbauten stehen im Trockenen und das Gequacke von 500 Kröten, die sich in einem kleinen Restwassertümpel zusammenpressen und ablaichen wollen geht einem durch Mark und Bein.

Biberbau im Floßgraben am Kupferpichel  im Trockenen – August 2013

Biberbau im Floßgraben am Kupferpichel im Trockenen – August 2013

Kröten im Restwassertümpel an der Schießplatzheide – August 2013

Kröten im Restwassertümpel an der Schießplatzheide – August 2013

Der Stadtwald ist aber kein Experimentierfeld für Naturschutz- vereine und verbände! Mit gut gemeinten Feldversuchen riskiert man nicht nur eigene Amphibien- Neuansiedlung, sondern gefährdet ein bestehendes, wertvolles Natursystem!

Die trockengefallenen Bäche vergrasen schnell, das Bachbett reißt auf und der Bach ist für alle Zeiten verloren! Die seltenen Bachmuscheln springen auf und verenden.

Trockengefallener Floßgraben am Eulen-Geräumt – August 2013

Trockengefallener Floßgraben am Eulen-Geräumt – August 2013

Biberbauten, Förderung von Biotopbildung durch die „Verbandsnaturschützer“ und Vernachlässigung der Bäche und Durchläufe durch die Stadt, zerstören wertvolles Leben in den Bächen. Beim Anblick ausgetrockneter Bachmuscheln in aufgerissenen Bachbetten stellt sich einem die Frage von Verantwortlichkeit und Rechenschaft!

Zerstörte Muschelkolonie im trockengefallenen Floßgraben -  August 2013

Zerstörte Muschelkolonie im trockengefallenen Floßgraben - August 2013

Eine „Naturschutzlobby“ aus Behörden, Verbänden, Ämtern und Vereinen zeichnet sich gegenseitig mit eitlen Naturschutzpreisen aus – am Ende zu Lasten der Natur!
Anstatt keine Mittel zu scheuen und mit wachem Auge und fachkundiger Pflege den Augsburger „Brillant“, zum Strahlen zu bringen, werden Bachläufe vernachlässigt, lässt man Quellen versiegen und lässt es zu, dass das schmutziges Wasser in Quellen zurückstaut, statt daraus frisches Trinkwasser zu gewinnen.Man überlässt es Dilettanten, in der Dürren Ast-Heide ein „Biotop mit Teichfolie“ mitten in das Naturschutzgebiet als „Ausgleichsfläche“ anzulegen. Dort läuft das Wasser aus dem Lochbach und versickert immer schneller im dreckigen Tümpel.

Dabei wurde beim Bau dieses Biotops großflächig die HeideFlora zerstört!

Anstich des Lochbachs für den Zulauf zum „Biotop“ an der Dürren-Ast-Heide. Der Zulauf wurde mit einer Teichfolie „abgedichtet“ - mitten im Naturschutzgebiet !

Anstich des Lochbachs für den Zulauf zum „Biotop“ an der Dürren-Ast-Heide. Der Zulauf wurde mit einer Teichfolie „abgedichtet“ - mitten im Naturschutzgebiet !

Biotop“ an der Dürren-Ast-Heide

Biotop“ an der Dürren-Ast-Heide

Als Ausgleichsmaßnahme angelegtes „Biotop“ an der Dürren-Ast-Heide. Die Strömung des Zulaufs lässt erahnen, wie viel Lechwasser hier in den Boden versickert. Bei der Anlage des „Biotops“ wurde mit Baugerät großflächig die Fauna der Dürren-Ast-Heide unter Aufsicht der Naturschutzbehörde zerstört!

Vernachlässigte „renaturierte“ Quellbachläufe

Vernachlässigte „renaturierte“ Quellbachläufe

Ehemalige Quelle in die von der Stadt schmutziges Lechwasser zurückgestaut wird

Ehemalige Quelle in die von der Stadt schmutziges Lechwasser zurückgestaut wird

Trockengefallener alter Floßgraben

Trockengefallener alter Floßgraben

Trockengefallener Bayerbach

Trockengefallener Bayerbach

Trockengefallener Floßgraben beim Kupferbichl

Trockengefallener Floßgraben beim Kupferbichl

Fast leerer Grundwassertümpel an der Schießplatzheide

Fast leerer Grundwassertümpel an der Schießplatzheide

Es nicht damit getan, mehr Lechwasser durch den Stadtwald zu leiten. Es müssen die Ursachen des Übels beseitigt werden um für künftige Generationen das Augsburger Trinkwasser und seine Quellen im Naturschutzgebiet zu sichern. Ein, vom Umweltreferenten dafür erarbeitetes Bewässerungskonzept zerstört mehr als es unserem Naturschutzgebiet hilft!

Der Lech – die Schlagader unserer Stadt!

Der Siebentischwald ist eine Kulturlandschaft! Generationen vor uns haben diese über Jahrhunderte mit Bächen, Kanälen und Pflanzungen angelegt. Sie haben diese Landschaft gehegt und gepflegt, weil das Wasser aus diesem Gebiet ihre Lebensgrundlage war, als Trinkwasser und als Hilfskraft ihres Handwerks. Sie haben Quellen gefasst und in Kanälen der Stadt zur Trinkwasserversorgung zugeleitet und separate Kanäle vom Lech Wasser abgezweigt, um damit ihre Maschinen anzutreiben. Bauten, Pläne und Schriften belegen das!

Bachplan Siebentischwald

Bachplan Siebentischwald

Statt staatlich geförderte Biotopspielereien zu betreiben und sich dafür auszeichnen zu lassen, haben unsere Vorfahren dafür gesorgt, dass ihr Wasser frei und sauber aus den Quellen über freie Bäche in die Stadt fließt und dort der Bevölkerung als wichtigstes Nahrungsmittel zur Verfügung steht. Der Lech und das von ihm durchströmte Naturschutzgebiet könnte das immer noch leisten!

Der Wasserverbrauch der Stadt hat mit der Einwohnerzahl und den veränderten Hygienevorstellungen zugenommen. Mussten Ende des 19. Jh 61.000 Einwohner mit ca. 9Mio.m3 Wasser/Jahr versorgt werden, waren es 1945 schon 200.000 EW mit ca. 14 Mio. m3/Jahr und im Jahr 2010 ca. 320.000 EW mit ca.17Mio m3/Jahr.

Ende der 90-er Jahre wurde bereits erkannt, dass durch die Entnahme tiefliegenden Tertiärwassers Schadstoffe aus den darüber liegenden Grundwasserströmen in die Tiefe verschleppt werden, und durch Tiefenbrunnen eine Grundwasserabsenkung im Siebentischwald erfolgt. Die Eintiefung des Lechs hinter der Staustufe 23 verstärkt diese Tendenz einerseits, anderseits führen undichte Uferzonen der Staustufe das Lechwasser und dessen Schadstoffbestandteile unmittelbar dem Grundwasser zu.

Wir sind weit davon entfernt, uns für unsere Trinkwasserbewirtschaftung vor der Welt auszeichnen zu lassen, weil die dafür Zuständigen ihre Hausaufgaben nicht machen!
Gleichwohl ist es nicht zu spät sondern höchste Zeit alle verfügbaren Kräfte und Mittel dafür einzusetzen, dass aus unseren Quellen und Brunnen auch in Zukunft sauberes Augsburger Trinkwasser fließen kann.

Dass dies möglich ist zeigt eine Quelle aus dem 15Jh, mitten im Haunstetter Wald, aus der man heute noch Augsburger Quellwasser aus der hohlen Hand trinken kann.
Auch sie gäbe es nicht mehr, hätte man nicht den Stadtwerken verboten, in ihrer unmittelbaren Nähe einen Brunnen zu betreiben, der ihr das Wasser entzogen hat!

Die Conoquelle als letzte Hoffnung auf reines Augsburger Quellwasser!

Die Conoquelle als letzte Hoffnung auf reines Augsburger Quellwasser!

Volker Schafitel, 1. Vorsitzender

Co-Autor und Wildführer durch den 7-T-Wald – Bernd Koroknay

Der geschundene Fluß (Artikel der SZ zum Lech 2012) 

Vielen Dank allen engagierten Augsburgern, die mir den Siebentischwald nahe gebracht, und mir „Ihre schönen Plätze“ , aber auch Ihre „Sorgenkinder“ gezeigt haben. Besonders bedanke ich mich bei „Hans„, der jeden Bach in „Seinem Siebentischwald“ kennt, und mit 82 Jahren mit mir die Bäche abgelaufen ist!

7 Kommentare

  1. Bernhard Uffinger sagt:

    Sehr geehrter Herr Schafitel,

    es scheint so, als wollten Sie mit Ihrem Artikel einen Rundumschlag in verschiedenen Naturschutzbereichen durchführen! Dabei haben Sie scheinbar vergessen, dass man bei so einem Ereignis das Sie hier schildern oder schildern lassen, immer mindestens zwei Seiten über das was, wie, warum usw. fragen sollte, bevor man einseitig berichtet und das vor der Wahl!
    Ich finde Ihre Art des Auftretens nicht richtig!
    Mit freundlichen Grüßen
    Bernhard Uffinger

  2. Schauer sagt:

    Es liegt in der Verantwortung des Umweltreferenten, wenn das durch Kläranlagen verschmutzte Lechwasser des Lochbachs im Trinkwasserschutzgebiet versickert. Der Sachverhalt ist nicht ganz neu, aber gerade deshalb halte ich es für richtig, damit vor der Wahl an die Öffentlichkeit zu gehen. Danach ist es wieder mal zu spät.

  3. Volker Schafitel sagt:

    Sehr geehrter Herr Uffinger,

    der Artikel über das Trockenfallen von Bächen im Siebentischwald stellt weniger einen Rundumschlag als eine Gesamtbetrachtung der Naturschutzbereiche dar. Es haben sich hierzu schon sehr lange viele Stellen mehr oder weniger konkret geäußert. Sie können aber gerne eine weitere Sichtweise auf dieser Plattform darstellen.

    Ich habe diesmal einer besorgten Bürgerschaft die unparteiische Plattform des Architekturforums zur Verfügung gestellt, und deren verschiedene Positionen in einem Artikel zusammengefasst. Unsere Artikel erscheinen schon über Jahre und vor allem ohne Rücksicht auf Wahltermine.

    Meine Art des Auftretens ist offen und transparent. Das Thema Naturschutz und Trinkwasser betrifft die gesamte Stadtgesellschaft. Daher wünsche ich mir eine offene und für alle Bürger verständliche und transparente Darstellung.

    Volker Schafitel, Architekt

  4. Karin Brandl sagt:

    Es ist höchste Zeit, dass die Wasserschutz-Scheinheiligkeit in den Fokus rückt! – Sowohl Boden als auch Uferwandung vom Lochbach sind im Wasserschutzgebiet nicht dicht. Er sickert aus.

    Beim Lochbachanstich am Lech befindet sich der Einlauf für das Restwasser einer kommunalen Kläranlage. Doch nicht nur das gereinigte Überlaufwasser gelangt so in den Lochbach, sondern seit langem ist bekannt, dass bei Kapazitätsauslastung dieser Kläranlage auch ungereinigtes Abwasser in den Lech und damit in den Lochbach und durchs Wasserschutzgebiet fließt.

    Bei dieser schlechten Wasserqualität müßte der Lochbach abgedichtet werden! Stattdessen lassen die zuständigen Behörden eine wasserdurchlässige Uferverbauung zu und der einstige Boden des Lochbachs ist schon lange nicht mehr da.

  5. Ericsen sagt:

    Herr Schafitel und andere Kommentatoren und Mitbürger,

    ich bin nur ein Laie aber was ich mir wünschen würde, ist eine große offene Diskussion in unserer Stadt, denn ich meine wir müssen uns endlich entscheiden.

    Entweder wir gestalten diesen großen Bereich des Stadtwaldes inkl. seiner Biotope als „Nutzfläche“ bzw. greifen flächendeckend in den Naturraum ein, wie wir es seit dem 19. Jahrhundert ja auch machen.

    Oder wir überlegen uns ein flächendeckendes echtes Renaturierungskonzept, was über „pädagogische Inseln“ hinaus geht und wirklich den ganzen Bereich renaturiert. Die Natur kann natürlich viel besser als der Mensch gleichermaßen für beste Wasserqualität und hohen ökologischen und ästhetischen Wert einer Landschaft sorgen. Dann muss man sie aber auch in Gänze machen lassen.

    Das hieße für mich, keine neuen Lechkraftwerke bzw. den Lech dort wieder stark verbreitern wo er ohnehin durch naturnahe Flächen fließt. Zulassen dass sich neue Bäche bilden, die auch zwischendrin trockenfallen, in Hochwasserzeiten über ihre Ufer treten etc., eben genau der Wechsel, auf den sich unzählige Tier- und Pflanzenarten von Augebieten spezialisiert haben und die in Deutschland dank der Flußbegradigungen nahezu ausgestorben sind.

    Wir müssen uns entscheiden. Meine Präferenz dürfte klar sein, ich bin für eine umfassende Renaturierung. Das ist aber ein Projekt von vielen Jahren und mit hohen Kosten, deren Früchte auch erst unsere Kinder voll ernten werden können, es wird brauchen bis sich dort ein natürliches Gleichgewicht eingestellt hat, so wie es war bevor der Mensch im Zuge der Industrialisierung angefangen hat die Landschaft stark zu verändern und seinen Bedürfnissen anzupassen.

    Wenn wir im Einklang mit der Natur arbeiten dann haben wir letztlich aber den meisten Nutzen, davon bin ich überzeugt.

  6. v.s sagt:

    @Ericsen – Danke für ihren Beitrag!

    Es ist erstaunlich, dass „Laien“ oft die besten Antworten finden.

    Ein Verbreitern des Lechs und ein reduzierter Schwellbetrieb stellt wieder die Verbindung des Lechs zur Flussaue her.

    Keine neuen Staustufen! Eigentlich müsste man welche abbauen!

    Flussnahe Ausleitungen aus den Staustufen reichern das Grundwasser wieder mit Uferfiltrat an, stabilisieren so den Grundwasserspiegel und verhindern das Trockenfallen der unteren Bachläufe.

    Behutsame Trinkwassergewinnung ohne Unterschreitung der Grundwasserpegelgrenzen stablisiert die Auwaldbewässerung und entzieht nicht den Wurzeln ständig das Wasser.

    Kiesbänke statt Jurageröllfelder – Beides muss antransportiert werden – weshalb dann nicht das landschaftstypische Element?

    Was mir Sorgen macht ist, dass im laufenden Prozess „licca liber“ eine riesige Kisbank mit Bewuchs im Stadtgebiet (unterhalb Hochablass) zerstört wurde! Mein Vertrauen an den ernsthaften Willen der Beteiligten ist damit stark gestört …

    V. Schafitel

  7. Bernd Koroknay sagt:

    Kaum zu glauben.
    Heute musste ich mir den Vorwurf gefallen lassen, daß ich alle, die in den Reihen der Naturschützer stehen, ob ehrenamtlich oder amtlich, mit diesem Artikel „in die Pfanne gehauen wurden“. NEIN,
    lieber Gerhard, so stimmt das nicht, denn jeder der Naturschützer hat sich mit seiner Arbeit um den Schutz der Natur verdient gemacht!Mit oder ohne Orden.
    Jetzt ist es aber höchste Zeit, alle Tatsachen mit in die Waagschale um einen „Freien Lech“ zu bringen. Der Beitrag hier ist nur ein Haar in der Suppe welche nun um den Lech aufgesetzt wird. Den Augsburgern wird Wasser für ihre Suppe angepriesen von höchster Qualität. Ich denke die Zutaten dazu werden von Tirol über Füssen, Schongau Landsberg und nicht zu letzt die Lechfeldgemeinden dazu gegeben.
    Karin Brandl, nimmt Bezug auf eine “ Wasserschutz Scheinheiligkeit „. Ob das zutreffend ist sollten sich die STAWA selbst überlegen. Ich denke es wäre höchste Zeit, den Patient Naturschutzgebiet nicht mehr zur Ader zu lassen. Er liegt wie die Bilder deutlich machen doch in den letzten Zügen seines Artenreichtumes.
    Und daran sind auch die über Jahre weichgespühlten, Naturschützer mit Schuld.
    Denn genau diese Aussiggerungen sind überhaupt nicht natürlich. Schon gar nicht in einem Gebiet, dessen Charaker die Waldbäche auch als wesentlicher Bestandteil des naturgeschützten Gebietes darstellen. Diese Bäche sind die letzten möcglichen Lebensräume für typische Lebensformen in Giesserbächen. Auch wenn diese Bäche in mittlerer Weile überwiegenden Fällen vom Lechwasser gespeist werden. Und die im Beitrag erwähnte CONO-QUELLE ist für mich ein Paradebeispiel für das wegschauen bei den amtlichen und ehrenamtlichen Naturschützern. Ericsen sage ich dank für diese Zeilen. Die treffen auch den Punkt genau.
    Bitte geben Sie diesen Link an Ihre Bekannten weiter und bitten diese auch um einen Beitrag. Es geht hier um jeden der an unser Wasser glaubt!
    B. K.

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