WasSersterben in Augsburg (2)

Das “ Trockenfallen“ der Bäche hat nicht ursächlich mit Regenfällen oder Trockenperioden zu tun. Der Bayerbach und der Floßgraben erhalten ihr Wasser über die Neugrabenschleuße aus dem Lochbach. Dort fließt gleichbleibend Wasser in den Stadtwald. Beide Bäche führen bis zu ihrem Mittellauf Wasser und fallen dann in sogenannten „Sohlbruchlöchern“ trocken. Diese Sohllöcher entstehen, wenn der Abstand vom Grundwasserspiegel zur Bachsohle größer wird bzw. stark schwankt.

 

 

Durstige Bäche – Bericht im BF zu den Versickerungen im Siebentischwald am 8.9.2013 

Eine Ursache für den stark unterschiedlichen Grundwasserstand im Stadtwald ist die, von der EON bewusst herbeigeführte, bzw. motivgesteuerte Eintiefung des Lechs, die notwendig ist, um Stauhöhen für Wasserkraftwerke zu erhalten. Durch den Bau der Staustufen wurde der Zustrom des Grundwassers in bestimmten Bereichen verändert. Die Folge ist eine Stabilisierung des Grundwasserspiegels oberhalb der Staumauern auf höherem Niveau. Das führt z.B. im Bereich Königsbrunn zeitweilig zu Kellerflutungen. Unterhalb des Stausees fließt das Grundwasser in den Lech aus. Es gibt um den Stausee herum eine „Umläufigkeit“ des austretenden Lechwassers von oben nach unten. Diese hat aber wegen des starken Gefälles einen engen Radius und bewässert den Auwald nur gering d.h. versorgt diesen nur in kleinen Bereichen mit Uferfiltrat (Lechaussickerung) .

Die zweite Ursache ist die Grundwasserabsenkung durch die Trinkwassergewinnung.
2/3 des Augsburger Trinkwassers wird aus dem Quartären Grundwasser mit 12 m tiefen Filterbrunnen gewonnen. Das lechnah gewonnene Wasser besteht zu 90% aus Lechwasser (Uferfiltrat) und hat eine hohe Qualität, weil es 50 Tage durch die Filterschichten des Auwaldbodens fließen muss (Kies+Wurzeln), bis es, so gefiltert, als Trinkwasser genutzt werden kann. Es gibt auch lechfernere Wassergewinnung in weit schlechterer Qualität. Durch mischen mit lechnahem Wasser wird das kompensiert!

Problematischer ist die Trinkwassergewinnung im Tertiären Grundwasser mit ca. 60m tiefen Brunnen.

Die Gewinnung ist dort weit weniger ergiebig als ursprünglich erhofft und durch das Abpumpen entstehen Kurzschlüsse zu den oberen Erd- bzw. Grundwasserschichten. Durch diese Kurzschlüsse wird junges quartäres Grundwasser aus den oberen Schichten nach unten gezogen. Mit diesem Wasser werden Bakterien in den Filterkies eingeschwemmt. Dadurch entstehen „Filterkuchen“ die das Filtersystem unseres Grundwassers belasten.

Massives Abpumpen des Grundwassers beider Schichten führt zu starker Absenkung des Grundwasserspiegels. Dagegen müssen die Brunnen Ruhezeiten einlegen, damit der Auwaldboden nicht austrocknet. Das führt zur Anhebung des Grundwasserspiegels. Dieser „Schwellbetrieb„, mit dem auch die Stauwerke im Lech gefahren werden, führt zu einer ständigen vertikalen Strömung des Grundwassers und begünstigt damit die Bildung von vertikalen Strömungsröhren oder Fingern. Diese Röhren enden teilweise in Bachbetten, weil der Wasserdruck der Bachläufe die Bildung begünstigt bzw. dort abgestorbene Wurzeln den Beginn solcher Röhren markieren.

Die Lösungen

Das Hochpumpen des Grundwassers zur Bewässerung des Auwaldes ist keine Lösung, weil es unser knappes Grundwasser weiter reduziert und den oben beschriebenen schädlichen Prozess beschleunigt.

Mehr Lochbach/Lechwasser zur Stadtwaldbewässerung einzuleiten ist wasserrechtlich festgelegt und muss fachlich begründet, möglicherweise gerichtlich eingefordert werden. EON und andere Kraftwerksbetreiber haben Verträge mit begrenzter Ausleitungsmenge. Dies ist auch nicht die Lösung weil bei stärker Einleitung von schmutzigem/unfiltriertem Lochbachwasser in die Trinkwasserschutzgebiete die Verweildauer (50Tage) des Wassers stark reduziert bzw. vermischt wird. Durch die Sohllöcher kann verschmutztes Lechwasser mit den typischen Rückständen aus den Kläranlagen entlang des Lechs in das Quartärwasser eingespült werden.

LiccaLiber

LiccaLiber“ ist keine Befreiung des Lechs sondern keine weitere Verknechtung! LiccaLiber beginnt bei der Staustufe 23, wobei noch gar nicht klar ist, ob unterhalb eine weitere EON-Staustufe gebaut werden soll, und endet an der Staustufe in Feldheim. Der Lech bleibt also auf diesem Abschnitt von 4 Staustufen und dem Wehr mit Kanal in Gersthofen “ unbefreit“. Alle 20 Staustufen oberhalb der 23 bleiben ebenfalls erhalten. Unter einer Befreiung stellt man sich etwas anderes vor: LiccaLiber – Der Name ist nicht Programm.

Abhilfe der Missstände und der dauerhaften Schädigung des Auwaldes und damit der Zerstörung unserer Trinkwassergewinnung in der jetzigen Qualität würde geschaffen, wenn ab der Staustufe 22 der Lech wieder verbreitet, die Staustufe 23 abgelassen und der Lech um diese herumgeleitet würde. Im weiteren Verlauf müsste eine weitere Flussbettverbreiterung und eine Anhebung der Flusssohle mit Lechkies (nicht Jurafelsen) erfolgen. Mit dieser Maßnahme wird wieder oberhalb (früher) mehr Uferfiltrat in den Auwald und seine Quartärschichten eingeleitet und die Verweildauer bis zur Trinkwasserentnahme auf mindestens 50 Tage gesichert. Weniger zu tun ist scheinheilig!

Biber

Unsere Vorfahren haben ein wertvolles Nutz- und Trinkwassersystem für Augsburg aufgebaut, gepflegt und erhalten. Bachwanderer haben ständig auf freien Durchfluss geachtet. Weil der Biber dieses System immer wieder gefährdet hat, haben sie dafür gesorgt, dass er sich im Stadtwald nicht ansiedeln konnte. Wem heute der Biber wichtiger ist, als unser Trinkwasser und ein funktionierender Auwald, hat die wirklichen Werte noch nicht begriffen!

Trinkwasseraufbereitung Hochablass

Bei derzeit über 300.000 Trinkwasserbezieher ist eine Trinkwasseraufbereitung am Hochablass für die Erhaltung unserer wertvollen Trinkwassergebiete alternativlos. Quartäres Quellwasser zur WC-Spülung zu benutzen ist Frevel!

Zur weiteren Information:

Trinkwassergewinnung Augsburg

Quartärwasser

Quartärwasser ist das oberste Grundwasserstockwerk. Seinen Namen hat es von der geologischen Bezeichnung der Erdkrustenschicht, in der es vorkommt. Die jüngste dieser Formationen, das Quartär, ist 1,5 bis 2 Millionen Jahre alt.

Tertiärwasser

Das aus 60 Meter Tiefe geförderte Tertiärwasser ist ca. 10.000 Jahre alt. Benannt nach der 65 Millionen Jahre alten Formation, in der es vorkommt, ist es ein Grundwasser von hoher Qualität. Als es vor 10.000 Jahren als Regen in den Boden einsickerte, durchlief das Wasser mächtige Schichten aus Sanden und Ton und verlor dabei an Sauerstoff.

Zum Schluss:

Wie bei den meisten Dingen wird auch bei der Trinkwassergewinnung mit der Natur Raubbau betrieben. Es geht wie bei Öl und Gas um einen wertvollen Bodenschatz, dessen Bedeutung mit der Zunahme der Weltbevölkerung wächst. Der Griff auf das Trinkwasser interessiert deshalb längst die Finanzkonzerne und Investmentfirmen. Wenn wir jetzt nicht handeln und gegen die Interessen der Konzerne wie EON kompromisslos unsere Daseinsvorsorge sichern, wird es für die Folgegenerationen zu spät sein!

Volker Schafitel, Architekt

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