DIE WBG SANIERT (2014)

13.04.2014 – Am 19.07.2013 wurde auf Antrag des Architekturforums Augsburg gemeinnütziger e.V. das ehemalige Landgestüt an der Siebentisch-Straße in die Denkmalliste eingetragen. Anlass dafür war damals ein Schreiben der WBG an die Mieter der Wohnhäuser 601/2 bis 601/6, worin ein möglicher Abriss nicht ausgeschlossen wurde. Wir dachten mit den Eintrag in die Denkmalliste hätten wir die Häuser vor der Zerstörung gesichert, aber eine Ortsbesichtigung in der letzten Woche hat uns eines Besseren belehrt!

Der Eintrag in der Denkmalliste am 19.07.2013

Der Eintrag in der Denkmalliste am 19.07.2013

Bei einem Spaziergang im Siebentischwald erzählte uns ein Bewohner der Anlage, dass in der EG-Wohnung im Haus Nummer 601/2 seit November 2013 die Handwerker tätig sind, und die Wohnung nach WBG-Muster sanieren. Darauf hin besuchten wir die Baustelle und waren entsetzt: Ohne Rücksicht auf Inventar, Originalgrundriss und Ausstattung wurde der Wohnung durch die WBG die Denkmaleigenschaften „ausgetrieben„! Das Sanierungsresultat ist eine 0-8-15-Wohnung, wie sie die WBG zu 1000-den besitzt!

Neue Haustüre

Neue Haustüre

Schon die Haustüren der Wohnungen in der Landgestütanlage zeigen, mit welchen Sachverstand und Feingefühl die WBG in den letzten Jahren den Häusern ein neues „Entre´“ verpasst hat. Plastiktüren mit Ornamentglasfeld, einer seitlich angeschraubten „Opalaußenleuchte“ und Plastikfenster wurden im ersten Schritt der Sanierung eingebaut, als die Häuser noch nicht in der Denkmalliste eingetragen waren. Denkmale im Sinne des Gesetzes waren sie schon damals, sonst wären sie nicht im Juli 2013 nachgetragen worden.

Neuer Grundriss

Neuer Grundriss

Völlig verändert wurde der Grundriss der Wohnung im EG Haus Nr. 601/2. Trennwände wurden herausgerissen und mit ihnen natürlich die alten Türen. Neue Gipskartonwände wurden eingebaut um einen WBG – tauglichen Grundriss herzustellen. Statt einer kleinen Eingangsdiele betritt man einen langweiligen, schmalen Flur, von dem aus links und rechts die Türen in die Zimmer führen.Die Küche hat eine Schiebetüre bekommen!

Neue Türe - Alte Türe

Neue Türe - Alte Türe

Die alten Türen mit breiten Massivholzfuttern und gestemmten Füllungen wurden durch „zeitgemäße“ Türen in modernem Design und mit Edelstahldrückern ausgetauscht.

Moderner Bodenbelag

Moderner Bodenbelag

Auf die alten Massivholz-Dielenböden wurden Spanplatten verlegt, um einen ebenen Grund für die moderne Auslegware aus Linoleum in einem „dankbaren“ beigen Farbton zu erhalten. In praktischen weil abwaschbaren Kunststoff-Hohlleisten verlaufen die Heizkörperleitungen.

Neues Bad mit moderner Ausstattung

Neues Bad mit moderner Ausstattung

Das „freundliche“ Badezimmer erhielt großformatige helle Fliesen mit einer umlaufenden Bordüre aus „individuellen“ Mosaikfliesen und einer „Körperformbadewanne„!

Auf diese Art kann man die Denkmaleigenschaft aus einem Gebäude heraussanieren.

Private Bauherrn, die keine 100%-tige Stadttochter wie die WBG sind, müssen Veränderungen ihres Denkmals mit der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt abstimmen.

Möglicherweise wurde diese Sanierung mit der Behörde und dem Landesamt abgestimmt! Wenn dem so war, gelten ab sofort andere Bestimmungen und man muss vom Glauben an Gleichheit und Gerechtigkeit abfallen.

Dieses Bespiel soll Bauherrn nicht dazu ermutigen, unverantwortlich mit ihren Denkmalen umzugehen, kann aber gerne beispielhaft herangezogen werden, wenn die Denkmalbehörde wieder einmal mit dem Zentimetermaß und der Farbkarte anrückt, um den Denkmalbesitzern zu zeigen, wie hoch die Latte in Augsburg hängt!


V. Schafitel, Architekt
1. Vorsitzender

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