PCI-Brunnen

Augsburg ist die Stadt der Brunnen. Es plätschert im Sommer an vielen Plätzen, in  Parks, an Stadtmauern und sogar mitten in der Maximilianstraße. Anlässlich eines  neuzeitlichen Zuwachses am Martin-Luther- Platz, dessen Schöpfer unbekannt ist,  halten wir es für geboten, den neuen Brunnen in den kulturellen und historischen  Kontext zu stellen und seinen Standort und seine skulpturelle Ausarbeitung etwas  näher zu betrachten.

Zuerst stellt sich die Frage, wie es überhaupt zu diesem zweiten Brunnen am Martin-Luther-Platz kommen konnte. Es ist nämlich sehr ungewöhnlich, dass auf einem Platz dieser Größe und in unmittelbarer Nachbarschaft zum historischen Goldschmiedebrunnen des Bildhauers Hugo Kaufmann aus dem Jahr 1912, ein „Brunnenkunstwerk“ dieser Prägung aufgestellt wird.

Man darf davon ausgehen, dass sich bei der Aufstellung eines solchen „Kunstwerks“ im öffentlichen Raum der Baukunstbeirat intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Meines Wissens nach war der Satdtrat damit nicht befasst. Er wäre ja auch nicht kompetent.

Man kann nur vermuten, dass die merkantile Umgebung den Künstler dazu veranlasst hat, die 3-fach-bedüste Quaderskulptur, die auch gut in ein ECE-Center passen würde, vor die Karstadtfassade zu platzieren. Möglicherweise sollte auch ein Ensemblebezug zu der Kreissparkassenkulisse des Goldschmiedebrunnens hergestellt werden.

Nun steht er da und spritzt müde aus 3 Plastikdüsen ca. 60cm niedrige Fontänchen in die Luft. Um ihn herum wird der neue Plattenbelag der Fußgängerzone benetzt und bildet, gewollt oder zufällig, eine Art Feuchtraumpflasterbiotop auf dem Lutherplatz.

Bei der technischen Ausarbeitung der „Skulptur“ besticht sofort die präzise Silikonfuge, mit der das Thema „FUGE“ künstlerisch bewältig wurde und die dem Brunnen seinen Namen gab: PCI-Brunnen, in Anlehnung an die gleichnamige Firma, die am Alten Postweg Augsburg ihre Hauptniederlassung hat. Damit ist der städtische Bezug zum Kunstwerk hergestellt, auf den auch der Goldschmiedebrunnen zurückgreifen kann.

Interessant wäre noch zu erfahren, weshalb sich die Preisträger des Wettbewerbs Fußgängerzone dazu entschlossen haben, von ihrem Entwurf abzuweichen und an den Lutherplatz ein weiteres Wasserzeichen zu setzen, welches in ihrer Planung nicht vorkam.

g2-landschaftsarchitekten / Andrea Berg Landschaftsarchitektur

1. Preis am M-L-Platz: g2-landschaftsarchitekten / Andrea Berg Landschaftsarchitektur

Volker Schafitel, Architekt

6 Kommentare

  1. Ulrich Englaender sagt:

    „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“ sagt man, wenn etwas schief gegangen ist, aber in diesen Brunnen kann nichtmal ein Kind fallen, hier ist sozusagen „der Brunnen in den Brunnen gefallen“, oder der Brunnen ist umgefallen, und das Kind liegt drunter, aber wahrscheinlich soll es garkein Brunnen sein, sondern die Idee eines Brunnens, irgenswie, wenn Sie verstehen was ich meine, das Wesentliche eines Brunnens, Stein, Wasser, Bewegung, reduziert auf die essentials in ewig gültigen Formen, gleichzeitig die Eckpunkte des zivilisatorisch erreichten symbolisierend: Randstein und Bidet!

  2. Lippert Bernhard sagt:

    Es lebe Silikon, egal wo!

    Das Silikon hätte man besser an den scharfen Kanten angebracht, um Verletzungen der spielenden Kinder zu verhindern.

    B. Lippert

  3. Jens Emminger sagt:

    Ich mag die Kastanien!

    Jeder weitere Kommentar erübrigt sich, wenn man beide Brunnen nebeneinander sieht… .

  4. Vertreter sagt:

    Der Verfasser muss sich die Frage gefallen lassen, was mit diesem Artikel bezweckt werden sollte, oder ging es hier lediglich nur um Werbung für die Fa.PCI, die nach meinem Kenntnisstand hier überhaupt kein Material eingesetzt hat.
    Wer kommt eigentlich auf den Gedanken, dass dies ein Brunnen ist, nur weil hier etwas Wasser im Spiel ist?

  5. Admin sagt:

    Was außer einem Brunnen könnte es denn sein?

  6. Marion Roden sagt:

    Lieber Volker, danke für Deinen Beitrag! Ich finde es sehr wichtig, dass wir derlei fragliche Entwicklungen im Stadtbild besprechen an dieser Stelle. Im Kommentar unter 4. fällt mir auf, dass eine Erörterung darüber, ob „das Ding“ ein Brunnen ist oder nicht, leider vollkommen am Thema vorbei geht.
    Den lustigen Gedanken von Ulrich Engländer, man könne sich drauf setzen und sich den Popo mit Wasser umspülen lassen, finde ich großartig. Wäre da nicht das Problem der Verfugung: Die Fugen entstellen das Gebilde geradezu. Am besten kratzt man sie wieder weg. Eine „Benutzung“ ist so nicht einmal mit den Füßen für mich möglich. Schade.

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