NEAT: Augsburg-Buchloe, die Schiene zum Welthandel

Jakob Fugger (1459-1525) feiert 2009 seinen 550-sten Geburtstag. Er kannte was viele Augsburger Politiker nicht kennen: Die für ihn wichtige Handelsroute nach Italien.

      Deshalb war er so erfolgreich und Augsburg wurde zur Stadt von Weltrang!

Wenn man diese Tage unsere Politiker frägt, was NEAT ist erhält man zur Antwort Achselzucken, eher Abwinken mit der Antwort: Interessiert in 100 Jahren! Zugegeben, vor einem Jahr konnte ich mit NEAT auch noch nichts anfangen.

NEAT kürzt Neue Eisenbahn Alpen Transversale ab und meint die Schienenverbindung von Deutschland und Bayern über den Gotthard- und Lötschbergtunnel nach Oberitalien. 

Das Bundesland Bayern würde für sich genommen zu den 20 größten Export- und Import-nationen gehören mit Italien hinter den USA als seinem zweitwichtigsten Ausfuhrhandels-partner (11,2 Mrd. Euro) und drittwichtigster Einfuhrhandelspartner (7,8Mrd. Euro). Im Ländervergleich liegt Bayern mit 5,6Mio t Exportgütern vor allen Bundesländern, deren Außenhandelsvolumen gesamt betrachtet unter 2,7 Mio t liegt. Damit liegen wir Grenze an Grenze zu einem unserer wichtigsten Handelspartner und das bedeutet Zeitgewinn und das bedeutet Geldgewinn!

Derzeit rollen über den Brenner jährlich 1,8Mio LKW´s mit 31Mio t Ladung. Die Bahn transportiert jährlich 10Mio t Güter. Damit ist das Verhältnis Straße/Schiene (Modal-Split) 76%/24%. Dies wird sich mit der Inbetriebnahme des Gottardtunnels 2016 zur Schiene hin verschieben. Damit verbunden ist eine Verminderung der Luftbelastung von mehr als 90% z.B. beim Feinstaub.

Ein Gutachten, welches die IHK Schwaben 2006 bei Obermeyer in München in Auftrag gab, kommt zu dem Ergebnis, dass der Wirtschaftsraum Augsburg/Nordschwaben durch den direkten Anschluss an den NEAT-Zulauf einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren könnte. Verstärkt und unterstützt wird dies noch durch das GVZ in Gersthofen.

In Augsburg und Nürnberg könnten nationale und internationale Güterströme Richtung Schweiz und Italien zu Ganzzügen zusammengestellt werden. Für die Ansiedlung von Produktionsstätten hat damit unsere Region einen enormer Standortvorteil. Zudem wird der Containerverkehr aus Asien künftig den NEAT-Hafen Genua ansteuern und den kürzeren Transportweg über die Alpen nach Süddeutschland statt bisher über Rotterdam benutzen Für den schwäbischen Wirtschaftsraum ein Quantensprung!

Hierfür ist es notwendig, die 2-gleisige Bahnstrecke zwischen Augsburg und Buchloe zu elektrifizieren (40Mio Euro). Diese Maßnahme war über 40 Jahre lang Bestandteil des Bundeswegeplans und wurde erst kürzlich gestrichen. Sie würde den jetzt geplanten Streckenverlauf über München um 88km Länge und 90 Min. Fahrtzeit verkürzen und den Engpass in München-Pasing entzerren. Dazu würden ICE-Kapazitäten auf der Strecke München-Augsburg-Berlin frei. Allerdings hat die Bahn die dafür notwendigen Gleisanpassungen beim 4-gleisgen Ausbau München/Olching am Augsburger Hbf nicht vorgenommen (18,3Mio Euro) und keine Güterzugdurchfahrtsgleise geplant.

Den NEAT-Zulauf in Bayern subventioniert die Schweiz mit 50 Mio Euro. Dieses Geld steckt die Bayerische Staatsregierung in den Streckenausbau München-Lindau nicht aber in den Ausbau Augsburg-Buchloe. Weshalb hier kein Protest aus Augsburg und der IHK kommt, könnte auf die Einflussnahme des Augsburger Speditionsgewerbes (IHK-Präsidium) zurückgeführt werden, die naturgemäß an einer Transportverlagerung von der Straße auf die Schiene kein Interesse hat. Damit würde aber die IHK ihre Aufgabe, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung unserer Region zum Vorteil einzelner Gewerbebereiche grob vernachlässigen – Lobbyistenpolitik wäre dafür der harmlose Begriff.

Wie Jakob Fugger im 15.Jh kennen wir die Bedeutung wichtiger Handelswege für Augsburg. Wir müssen für den Anschluss kämpfen, damit Augsburg wieder blüht!

__________________________

V. Schafitel

5 Kommentare

  1. Peter Lintner IHK sagt:

    Sehr geehrter Herr Schafitel,

    da es sicher auch in Ihrem Interesse ist, nicht nur
    zur Legendenbildung beizutragen erlaube ich mir folgende
    Anmerkungen zu Ihrem NEAT-Artikel:

    1. Die Schweiz entscheidet autonom wo sie ihre Mittel
    einsetzt

    2. Die IHK Schwaben unterstützt vehement – entgegen Ihrer
    Darstellung – die Elektrifizierung Augsburg-Buchloe

    3. Das IHK-Ehrenamt aus dem Transportgewerbe und den Speditionen
    steht voll hinter diesem schienengebundenen Güteverkehrskonzept

    Warum also verbreiten Sie solche Unwahrheiten und reden nicht
    mit uns im Vorfeld solcher Publikationen?

    Das Internet entbindet auch Sie nicht von einer notwendigen publizistischen
    Sorgfalt und von der Verpflichtung zur Wahrheit

  2. Fritz Effenberger sagt:

    Liebe Diskussionsteilnehmer! Als Berufsjournalist kann ich Ihnen versichern, dass sowohl im Internet als auch in älteren Medien Meinungsfreiheit wichtiger ist als „publizistische
    Sorgfalt und Verpflichtung zur Wahrheit“. Herr Schafitel darf also behaupten, was er will, und die Kommentarfunktion dieses Architekturforums erlaubt erfreulicherweise das Veröffentlichen eines gegenteiligen Standpunktes. Die „Wahrheit“, falls es eine solche geben sollte, ergibt sich aus der Quersumme der geäusserten Ansichten plus ihrer nachprüfbaren Quellen. Ich wünsche allen Diskutanten weiterhin viel Vergnügen bei der Wahrheitsfindung.

  3. vs sagt:

    Lieber Peter Lintner,

    1.Das bestreite ich nicht. Aber der Freistaat entscheidet auch autonom und dabei kommt Buchloe/Augsburg und die Region Nordschwaben schlecht weg.

    1. Ich unterstütze vehement eine Verbesserung der innerstädtischen Entwicklung und werde entsprechend wahrgenommen. Die IHK unterstützte vehement die ICE-Trasse über Augsburg und Ingolstadt kam! Unter vehement verstehe ich in dieser Angelegenheit ein öffentliches Bekenntnis und massives Einwirken auf die Politik, regional und auf Landesebene – wahrnehmbar. Das sollte sich irgenwie in den Medien niederschlagen – tut es bisher aber nicht! Sobald ich mal was von Ihnen in der Sache Neat öffentlich höre, nehme ich Ihnen ein gewisses Engagement ab. Bis dahin bleibt es mein Wunsch bis Ihr Aufschrei zum Dieselloch Buchloe/Augsburg kommt!

    3. Dann sollte im GVZ die Infrastruktur für die Umverlagerung Straße/Schiene aber mit größerem Fleiß angepackt werden. Auch für die Ehrenamtlichen gilt es selbst Lippenbekenntnisse zumindest nicht im Flüsterton vorzutragen.

    Ich sage nur, dass Ihre Organisation aus meiner Sicht nicht angemessen ihrer Aufgabe zur wirtschaftlichen Stärkung der Region in Sachen NEAT gerecht wird. Abgesehen davon, dass Sie bisher gerade in der Angelegenheit ICE-Verbindungen und Streckenausbau (z.B. Buchloe/Augsburg) nichts erreicht haben, bescheiden Sie sich auch am Hauptbahnhof mit der miserablen Mindestlösung, welche die Bundesbahn der 3.größten Stadt Bayerns anbietet.

    Ich bin bei der Wahrheit, aber vielleicht sollten Sie mal mit uns reden, bevor Sie solche Kommentare schreiben!

  4. Augsburg: Zahl der G sagt:

    […] die Thematik komplex ist, gebe ich gerne zu. So sind die G

  5. Kurt Röösli sagt:

    Sehr geehrte Herren
    Als Schweizer erlaube ich mir folgenden Kommentar beizufügen:
    Der Brennerbasistunnel via Oesterreich nach Italien wird sicher nicht vor 2025 fertig! Es wäre also völlig unsinnig wenn Deutschland Gelder für diese Anbindung sprechen würde. Der Gotthardbasistunnel wird aber noch im Jahr 2010 durchstochen. Das bedeutet, dass der Tunnel spätestens 2017 in Betrieb gehen wird! Italien hält sein Versprechen und hat bereits mit dem Ausbau der Strecke Mailand Schweiz begonnen.

Ihr Kommentar

Bitte beachten: Bis zum Erscheinen Ihres Kommentares können einige Minuten vergehen.