Der Holbein Schulcampus – eine vergebene Chance?

Bildungsoffensive – Sanierung nur nicht in Augsburgs Vorzeigestraße?

Obwohl mit der Bildungsoffensive Augsburg – „Schulen fit für die Zukunft“ – ein umfassendes Schulsanierungsprogramm ins Leben gerufen wurde, in dem die Sanierung der Hallschule (Fassaden und Dachsanierung) im Rahmen eines 82-Mio-Programms im Haushalt Berücksichtigung findet, steht seit mehr als 2 Jahren an der Prachtmeile der Stadt ein Schutzgerüst, wie es aus Nach-DDR-Zeiten bekannt ist, wo in den neuen Bundesländern aus Geldnot für Sanierungen um die Häuser derartige Gerüste gebaut wurden.

Mit der Begründung leerer Kassen für Sanierungen führte schon die Regenbogenregierung unter Paul Wengert Verkaufsverhandlungen mit Investoren, die den Jugendstilbau von 1904 in eine Hotelkette umwandeln wollen. Dies ist beispielhaft für den unsensiblen Umgang mit der Augsburger Stadtgeschichte und dem Ausverkauf städtischer Kulturbesitztümer.

Vor der Wahl ist nach der Wahl, oder…

Die neue Stadtregierung unter OB Gribl scheint auch hier in das alte Fahrwasser hinein zu rudern obwohl im Punkt 55 des 100-Punkte Wahlprogramms für das Bauwerk eine andere Perspektive versprochen wird, die dem Trend nach Rückkehr der Bevölkerung in die Städte und Vitalisierung der Stadtzentren gerecht wird. Denn mit der anwachsenden Stadtbewohnern steigt auch wieder der Bedarf an Grundschulplätzen in der Innenstadt.

Wir erinnern uns:

  • 100 Punkte-Programm Dr. Kurt Gribl – Punkte 55 bis 75
  • Verkehr/Stadtplanung
  • 55. Holbein-Kampus

Das Holbein-Gymnasium ist das größte innerstädtische Gymnasium. Die zugehörigen Gebäude werden durch die Hallstraße getrennt; ein Zustand, der von Schülern, Eltern und Lehrern bemängelt wird. Ich werde mich daher dafür einsetzen, dass der Status und die Funktionalität des Gymnasiums aufgewertet und gleichzeitig eine städtebaulich positive Entwicklung gestaltet wird. Dazu soll ein Wettbewerb durchgeführt werden, der aus dem zerrissenen Schulgelände einen „Holbein-Kampus“ entstehen lässt.

Dies kann durch Verschmelzung der Gebäude bzw. durch Nutzung und Gestaltung der

Vorplatzbereiche und eine Schließung der Hallstraße für den allgemeinen Verkehr geschehen. Die Bedeutung und die Funktionalität der Schule soll durch Einbeziehung der Hall-Schule gestärkt werden. Damit wird gleichzeitig ein jahrelang bestehender städtebaulicher Missstand im Bereich der Maximilianstraße (Ecke Maximilianstraße/Hallstraße) gelöst.

Kein Campus mit Hotel

Nachdem das Kaisermeilenkonzept ohnehin eine Verkehrsberuhigung der Hallstraße vorsieht besteht mit der möglichen Auslagerung der Ulrichsschule die einmalige Chance, die Hallschule und das, unter Raumnot leidende Holbeingymnasium zu einem Schulcampus zusammenzufassen, um dort einen wertvollen Stadtraum zu schaffen!

So könnte die Hallsstraße verkehrsberuhigt, der Platz zwischen den Schulen als CAMPUS gestaltet werden und eine Tiefgarage für Lehrer und Schüler unter der Hallstraße entstehen. Über Innenhöfe können Verbindungen zur Katharinengasse geschaffen, und der Garten des Schaezlerpalais in den öffentlichen Straßenraum eingebunden werden.

Ein Umbau von Klassen- in Hotelzimmer zerstört ebenso das Original wie eine „luxuriöse“ Hotelausstattung. Entgegen einer gewünschten Beruhigung der Hallstraße zieht dort ein 200-Bettenhotel noch mehr Verkehr an, wobei es da kaum Parkplätze gibt.

Dagegen ist der Bau für eine Aufteilung in Grundschule und Bereiche für das Gymnasium bestens geeignet. Die Schule verfügte über 2 Eingänge für Knaben und Mädchen. Den Eingang von der Hallstraße könnte das Gymnasium nutzen, den von der Maximilianstraße die Grundschule.


Dafür sollte ein offener Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden.

Den Ideen und Visionen vor der Wahl muß die Umsetzung nach der Wahl folgen – und das alles:

„ Aus Liebe zur Stadt…… und zu den Augsburgern“ ! (Dr. Kurt Gribl im Wahlprogramm). Wir nehmen den OB beim Wort und fordern sein Versprechen ein.

Hintergrund:

Das Holbein-Gymnasium feiert im Jahr 2008 sein 175-jähriges Bestehen als technische Lehranstalt. Es hat folgende berühmte Schüler hervorgebracht:

  • Georg Krauss (1826 – 1906, Gründer der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. und Mitbegründer der Maschinenfabrik Krauss-Maffei)
  • Heinrich von Buz (1833 – 1918, Direktor der Maschinenfabrik Augsburg, spätere MAN, und Mitbegründer der Augsburger Lokalbahn und der Lech-Elektrizitätswerke)
  • Franz von Lenbach (1836 – 1904, Porträtmaler)
  • Rudolf Diesel (1858 – 1913, Erfinder des Dieselmotors)
  • Hans von Euler-Chelpin (1873 – 1964, 1929 Nobelpreis für Chemie)
  • Manfred Müller (1926 geb., ab 1972 Weihbischof in Augsburg, ab 1982 Bischof von Regensburg)
  • Roy Black (Gerhard Höllerich, 1943 – 1991, Schlagersänger)
  • Johann Deisenhofer (1943 geb., 1988 Nobelpreis für Chemie)
  • Roland Hetzer (1944 geb., seit 1985 Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin)
  • Manfred Broy (1949 geb., 1994 Leibnizpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft für seine Leistungen in Informatik)

Weitere Schüler der Schule, aus angesehenen Augsburger Familien:

Gustav und Karl Buz (MAN), Friedrich, Josef und Willy Haindl (Papierfabrik), Wilhelm, Ludwig und Adolf Martini (Fabrik), Friedrich und Johann Kniewitz (Seifenfabrik), August, Franz und Ferdinand Schmedding (Gold- und Silberschmiede), Anton Limbächer (orthopädische Werkstätten), Theodor Wiedemann (Vorstand AKS), Glogger (Zimmerei), Gottfried Grandel (Gewürz- und Ölfabrik), Wilhelm Thormann (Baufirma), Lorenz Spitzer (Zimmerei), Josef Bader (Kolonialwarenhandlung), Josef Witt (Versandgeschäft Weiden).
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V. Schafitel

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