Ladehöfe die Zweite: „Investoren“ machen Stadtgestaltung

Nachdem unter der letzten Stadtregierung 2002/2007 Herr Marazzi auf den Ladehöfen erfolglos seine Sandkastenspiele betreiben durfte, tritt nun die Grundstückseigentümerin AURELIS selbst auf die Bühne und präsentiert „zur Freude“ des Stadtbaumeisters ihre Vorstellungen zur „Entwicklung“ dieser bedeutenden innerstädtischen Fläche.

Hierzu berichtete die AZ in der Ausgabe am 11.12.2009:
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Dem Bauausschuss des Stadtrates wurde am 10.12.2009 die Rahmenplanung des Unternehmens Aurelis Real Estate, der Eigentümerin und früheren Immobilientochter der Bahn, vorgestellt. Die Planung enthält 5-geschossige Wohnhäuser mit Supermarkt sowie ein 13-geschossiges Hochhaus.

Laut Einschätzung des Stadtbaurates bricht im Bismarckviertel die Nahversorgung weg und die Menschen müssten oft das Auto nehmen“! Diese Einschätzung teilen die Bewohner des intakten Viertels nicht. Sie freuen sich über einen gut sortierten Tengelmann und hübsche kleine Läden für alle anderen Bedürfnisse der täglichen Versorgung. Sie fürchten dagegen, dass über das Viertel nun bald die Autos derer geleitet werdens, die am Engpass an der künfig überlasteten Kaiserhofkreuzung scheitern werden.

So erklärt dies auch der Baureferent der AZ:

Es gibt Überlegungen, die für den öffentlichen Verkehr gesperrte Erschließungsstraße der Bahn zwischen Herman- und Halderstraße auszubauen. Diese Straße (sie zweigt von der Hermanstraße gegenüber dem Hotel Ibis ab) soll künftig den Königsplatz entlasten und eine Art Bypass bilden. Denn die Stadt hat das Problem, dass die Kaiserhof-Kreuzung am Königsplatz zu Stoßzeiten vermutlich überlastet sein wird, wenn die Neuordnung des Verkehrs in der Innenstadt (autofreier Kö“) kommt. Die Halderstraße soll laut den Planungen nämlich künftig in zwei Richtungen befahrbar sein. Ein Teil des Verkehrs könnte über diese Straße abgewickelt werden – wenn Aurelis dem zustimmt.

Zwar stellte die Grünen-Stadträtin Eva Leipprand fest, das Gebiet wäre eine kostbare Fläche, die nicht irgendwo liegt“. Trotzdem soll lt. Baureferent In den kommenden Monaten ein Konzept für die zwei Ladehöfe zwischen Gögginger Brücke und Hauptbahnhof erarbeitet werden , bevor das Genehmigungsverfahren startet. Verwunderlich ist, dass der Referent für diese „kostbare Fläche“ bisher keinen Wettbewerb vorsieht, wo doch selbst nach seiner Überzeugung die Pflasterung der Fußgängerzone nur über einen solchen gelößt werden kann.

Dies kann an der Einschätzung des CSU-Stadtrats Rolf Rieblinger liegen dass die Stadt etwas von Aurelis und Aurelis etwas von der Stadt will“. Dies ist aus meiner Sicht aber kein Grund, einem Investor wieder mal die Gestaltung unserer Stadt anzuvertrauen.

Sinn würde es machen, aus dem Ladehof-Gelände der Bahn eine „Städetbauliche Entwicklungsmaßnahme“ zu machen, so wie es die Stadt München mit den Güterbahnhofsflächen gemacht hat. Dieses Instrument öffnet städtebauliche Landes-Fördermittel und hält die Preisambitionen der Bahn verbunden mit den optimal-dichten Nutzungswerten in Zaum und sorgt für erschwinglichen Eigentums- und Mietwohnraum.

20.01.2010

Von der FDP-Stadtratsfraktion, Stadträtin Kranzfelder-Poth liegt ein Dringlichkeitsantrag  für die morgige Stadtratssitzung Donnerstag  21. Januar 2010 vor!

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5 Kommentare

  1. schießler sagt:

    Interessant ist, daß hier ein zusätzlicher Supermarkt geplant wird, den offensichtlich keiner braucht. (Stichwort: Leerstand in Bahnhofsnähe, vorhandene, funktionierende, Versorgung des Bismarckviertels) Für den Investor ist ein Supermarkt naturgemäß mit der größten Rendite verbunden. Vor allem wenn diese Märkte mit der leider üblichen (Un-)Gestaltung ausgeführt werden.

    Man kann nur hoffen, daß hier die Stadt ihrer Verantwortung und der damit verbundenen Planungshoheit nachkommt. Die Aussage von Herrn Rieblinger lässt allerdings eine andere Einschätzung zu.

    Wieder geht es ume eines dieser letzten zentrumsnahen Filetgrundstücke, das nicht den Investoren und deren maximalem Renditestreben geopfert werden sollte.
    Schlechte Beispiel dieser Art gibt es in Augsburg schon genug.

    Übrigens:
    Wenn man dem Bismarckviertel etwas Gutes tun will, sollte die Stadt endlich den Strassenbelag in der Bismarckstrasse erneuern. Der Zustend hier ist nurmehr als traurig zu bezeichnen.

  2. Klaus Stumpf sagt:

    Ich gebe Volker Schafitel absolut recht, was die Planung und die Verantwortung für die Stadtgestaltung angeht. Verwaltung und Politik sollten alle Möglichkeiten nutzen, den Investor von der Notwendigkeit und dem Mehrwert eines Wettbewerbs zu überzeugen.
    Ich möchte aber auch daran erinnern, daß es neben Maratzi bereits diverse Wettbewerbe, Plangutachten und Studienarbeiten über die Ladehöfe und die Flächen des Bahnbetriebsgeländes gegeben hat. Wettbewerbe als Beschäftigungstherapie für Architekten, ohne konkrete Realisierungsabsicht, brauchen wir nicht.

    Was die Nahversorgung des Gebietes angeht, muß ich widersprechen. Man muß sicher darüber diskutieren, welche Fläche und welche Struktur die Versorgung in welcher Gestaltung einnehmen soll. Aber die hübschen kleinen Läden (incl. Schlecker) decken nicht das ganze Sortiment des täglichen Bedarfs. Unter anderem der Tengelmann, sind für Menschen mit Bewegungseinschränkungen oder mit Kinderwagen nicht nutzbar weil sie nur über steile Treppen zugänglich sind. Die neuen Bewohner des Hasenbräuareals sind bereits potentielle neue Einkäufer, ob die netten Läden hunderte zusätzlicher Wohneinheiten versorgen können bezweifle ich. Das ebenfalls angrenzende Beethoven-Viertel ist schlecht versorgt, und auch das Antonsviertel.

    Ich glaube nicht, daß die Bewohner des Viertels unter zunehmenden Autoverkehr leiden werden, wenn der Bahnhof mit den diversen Parkhäusern von Süden direkter angebunden ist. Autoverkehr aus dem Osten sollte durch neue Tram und Regionalbahn stark reduziert sein.

  3. Schafitel sagt:

    Am Bahnhof gibt es 2 Supermärkte in der Passage und im Fuggerstadtcenter die behindertengerecht erreichbar sind. Die Bahnhofstraße selbst hat alles was das Herz begehrt.

    Gerade die Bewohner des Beethovenviertels nutzen die Einkaufsmöglichkeiten im Bismarckviertel. Zusätzliche Kundschaft sichert dort die Nahversorgung nachhaltig. Weitere Geschäfte im Viertel riskieren den Bestand!

    Zusätzlicher Verkehr kommt dann ins Viertel, wenn die Straße durch die Ladehöfe als BYPASS (wie beschrieben) durch die Viktoriastraße Verkehr von Nord/Westen durchs Viertel leitet! Bei einer Verkehrsberuhigung des Bahnhofsvorplatzes mit Viktoriastraße und Bahnhofstraße, wie sie in Eurem Wettbewerbsentwurf mal gedacht, aber von der „Planungsrealität“ verworfen wurde, wäre kein zusätzlicher Vekehr durchs Viertel zu erwarten. Die Realität sieht aber anders aus!

  4. Jörg Schiffler sagt:

    Ich verstehe nicht warum der Tengelmann in der Bismarckstraße nicht so umgebaut werden kann, dass man auch ohne Stufen in den Laden kommt. Ein Argument für einen Neubau an anderer Stelle sehe ich darin jedenfalls nicht.

    Das Antonsviertel ist unterversorgt, aber dieser Bedarf sollte vor Ort gedeckt werden. Der nächste Supermarkt ist dort aber auch nicht auf den Bahnflächen sondern an der Schertlinstraße. Ebenso wird sich das Hasenbräu-Quartier wohl kaum stadtauswärts orientieren sondern ECE, Norma und Karstadt nutzen.

  5. vs sagt:

    Von der FDP-Stadtratsfraktion, Stadträtin Kranzfelder-Poth liegt ein Dringlichkeitsantrag für die morgige Stadtratssitzung Donnerstag 21. Januar 2010 vor!

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