DIE GEFÜHLTE MANZUSCHLEIFE

Gestern Nacht wurde vom Stadtrat mit den Stimmen von CSU, PRO Augsburg, GRÜNE der Billigungsbeschluss zum Bebauungsplan 500, „Augsburgboulevard“ mehrheitlich gefasst. Maßgeschneidert auf Gribls Wahlaussage „autofreier KÖ + Erhaltung des Parks“ war die Verwaltungsvorlage auf den kleinsten gemeinsamen Nenner mit dem Ergebnis des Ideenwettbewerbs konfektioniert. 

 

Wie schon in einem Beitrag im Mai angekündigt, wurde die nebenstehende Verwaltungsvorlage 1:1 übernommen. Dabei muss man ein paar Dinge klarstellen:

Die Gleisgeometrie im Umsteigedreieck, von Gribl im Wahlkampf 2007 als „Gleissalat“ bezeichnet und von guten Verkehrsplanern, wie dem späteren Preisträger Billinger als solcher auch gerügt und für untauglich erklärt, wurde von der Bauverwaltung nahezu baugleich aus der alten Stadtwerkeplanung übernommen.

Der Straßenraum (Kurze Hermanstraße, Konrad-Adenauer-Allee), den der Autofahrer dem ÖPNV-Knoten opfert, wird schamlos für ein überdimensioniertes Umsteigegebilde mit Doppelbahnsteigen verschwendet.

Wo im Preisträgerentwurf anstandshalber noch eine kleine Baumreihe den südlichsten Bahnsteig von der in beide Richtungen MIV-durchspülten Kaiserhofkreuzung trennte, verschmelzen KÖ-Knoten und Kaiserhof-Knoten zu einer tristen Verkehrswüste.

Auch der „URBANE PLATZ„, der sogenannte „Trichter zur Altstadt“ wurde ganz am Ende des Planungsprozesses mit einer bisher nie dagewesenen Schienenschleife genannt „MANZUSCHLEIFE“ verziert. Der Name soll an den, ihr zum Opfer fallenden Manzubrunnen erinnern, den die Augsburger Kaufleute 1985 der Stadt anlässlich der 2000-Jahrfeier geschenkt haben. Nach Aussage des 1. Preisträgers finde man sicher demnächst einen geeigneten Platz dafür.

Interessant sind die unterschiedlichen Empfindungen, mit der dieses Doppelschleifendreieck, der dem Straßenbahngegner in der Maxstraße E. Wunderle seinen urbanen Platz ziehmlich zerlegt,  von den Beteiligten beurteilt und definiert wird:

So ist sie für Norbert Walter, dem Chef der Vekehrsbetriebe ein unverzichtbares Betriebsgeleis für Notfälle.

Baureferent Merkle, hält sie für ein reines Baustellenprovisorium. Das will auch E. Wunderle, der Architekt, am liebsten glauben.

OB Gribl hält sich wie immer an das , was Merkle meint und versteht gar nicht, weshalb daran einer zweifeln kann. Selbst, auf den entsprechenden Passus (S 39 der Beschlussvorlage) angesprochen, der das Gleis „zur Gewährleistung eines stabilen Linienbetriebes“ beinhaltet, besteht Gribl auf seinen Provisoriumsstatus.

So wurde das „MANZUGLEIS“ als dauerhafte Einrichtung gestern abend beschlossen und N. Walter hatte zur Erleichterung der Akteure die glänzende Idee, den Stadtrat nach Einbau des Gleises und nach der Fertigstellung des KÖ einen neuen Beschluss fassen zu lassen, das Gleis wieder rauszureissen – genial! Das wird voraussichtlich dem nächsten Stadtrat und möglicherweise dem nächsten OB nicht ganz leicht fallen! Was die Fördergeber dazu meinen, wurde nicht weiter erläutert.

Walter setzte noch nach, dass wenn die Fahrgäste das Gleis liebgewonnen hätten, man es ja belassen könne …. oder ja auch nicht ???

Damit haben wir wieder mal ein „gefühltes Manzugleis“ und diesem OB-Gefühl schließen sich alle an, deren Wunsch der Vater des Gedanken ist und deren kleines Architektenherz dann wieder ruhig schlafen kann!

Für alle Träumer, Spinner, Naivlinge, welt- und realitätsfremden Architekten und für Herrn Billinger, den traurigen Verkehrsplaner der Preisträgergruppe in Stuttgart, hier nochmal die Siegerversion der Planung, deren 1:1 Umsetzung wir alle und allen voran vielleicht Herr Billinger vergeblich in den Planzeichnungen der Verwaltungsvorlage suchen!

18.04.2013 ganz aktuell stellt die CSM heute in der Stadtratsitzung den Antrag, die Manzuschleife im Platz zu belassen.

——— Volker Schafitel, Architekt

2 Kommentare

  1. So sieht der K sagt:

    […] muss die Stadtgesellschaft aktiv eingebunden sein ansonsten entsteht Blockade! Am Beispiel der MANZUSCHLEIFE erkennt man die Verwirrungs- und Verschleierungstaktik der Stadtregierung! – – Angeh

  2. Rathauskoalition in Augsburg: Ein Polit-Theater zum Gruseln - Seite 22 - Augsburger Allgemeine Community sagt:

    […] Ich hoffe das ist Beleg genug! Weitere Informationen zur Verst

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