Der Professor nimmt Seinen Hut

Nachdem vor der Sommerpause die Wiederwahl des Stadtheimatpflegers wegen fehlender Mehrheiten ausgesetzt und vertagt wurde, hat nun der amtierende Stadtheimatpfleger Prof. Dr. E.P. Hilbich seinen Rücktritt erklärt. Fehlende Mehrheiten bei den Parteifreunden der CSU und ein Gegenvorschlag aus der SPD haben Ihn zu diesem Schritt bewogen!

 

Ursprünglich galt es als sicher, dass der, selbst schon ins denkmalwürdige Alter geratene Stadtheimatpfleger, weitere 5 Jahre das Amt begleiten würde. Geschlossen stimmten CSU und Pro Augsburg für den Professor.  Gegen Hilbich stimmte im Kulturausschuss nur Rose-Marie Kranzfelder-Poth (11:1). Als es zur Abstimmung im Stadtrat kommen sollte, wurde diese auf Antrag der SPD abgesetzt. Weil auch in der CSU die “ Jungen Milden „ murrten und nur widerwillig dem Parteidiktat gehorchen wollten, wurde die Entscheidung von Sitzung zu Sitzung vertagt.

Zwischenzeitlich brachte die SPD den denkmalverdienten und im Textilviertel engagierten BDA Architekten Walter Bachhuber ins Gespräch, der sich nach Auffassung der SPD im Gegensatz zu Hilbich auch mal in die die Auseinandersetzung mit dem Baureferenten Gerd Merkle getraut und dem Amt mehr  „konzeptionellen Gestaltungswillen“ verleiht. Bei Hilbich und Merkle war „Alles oft nur harmonisch„, so die SPD.

Prof. Dr. E.P. Hilbich

 Nun wollte man Hilbich eine „Schamfrist“ von 2 Jahren vorschlagen – der lehnte dies jedoch ab und bestand auf die volle Amtszeit. So kam es zu keiner Entscheidung vor der Sommerpause und Hilbich sollte bis Herbst bangen!

Dieser wollte das offensichtlich nicht und erklärte nun in einem Brief an den OB Seinen Rücktritt. Begründet hat Hilbich dies mit fehlendem Rückhalt aus der CSU und „Wahlkampftaktik der SPD„. Scheinbar reicht es heute schon aus, einen fachlichen Gegenkandidaten zu benennen, um sich dem Vorwurf des Wahlkampfs (Wahljahr 2014!!!) ausgesetzt zu sehen.

 

Vielleicht gehen aber nur langsam die „guten alten Zeiten“ zu Ende, in denen man fachliche Kapazität und Amtsanwartschaften mit der Aufnahme in einem RotarierClub erwerben konnte.

Möglicherweise kommt jetzt die Zeit, wo ehrliches Engagement in Verbindung mit Fachkompetenz für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben gefordert ist. Der Architekt Walter Bachhuber ist jedenfalls sensibel genug, die Bauheimat einer Stadt wie Augsburg nicht nur zu bewahren, sondern er kennt auch die unabdingbaren Qualitäten, diese in unserer Zeit und mit unseren Stilmitteln fortzuschreiben. 

Was sagt Walter Bachhuber zu Walter Bachhuber:

Mein Interesse an der Architektur galt von Anfang an auch in ganz besonderem Maß den baulichen Zeugen der Vergangenheit. Diese Faszination ist so alt wie meine Erinnerung.

Selbst aufgewachsen in einem 300 Jahre alten „Baudenkmal“, lag ein Schwerpunkt meines Studiums an der TU München auf der Denkmalpflege am Lehrstuhl von Prof. Meitinger. Baugeschichte studierte ich unter Prof. Gruben, Kunstgeschichte unter Prof. Huse, Sakralbau unter Pof. Kurrent. Besondere Faszination übt bis heute das Werk von Prof. Hans Döllgast auf mich aus. Meine Diplomarbeit befasste sich als Sonderdiplom mit den Kriegswunden Dresdens.

Bei den Planungs- und Bauaufgaben meines eigenen Büros, das ich seit rund 14 Jahren selbstständig in Augsburg führe (urspr. in Partnerschaft mit Günther Prechter, jetzt Bregenz), nahm neben dem Städtebau immer der Umgang mit dem Bestand eine vorherrschende Stellung ein. Mein eigenes Haus, das mein Büro aufnimmt, ist ebenfalls Einzeldenkmal.

Seit Jahren gilt mein besonderes Engagement dem Augsburger Textilviertel. Durch eine Reihe von Vorträgen, Schriftstücke und Aktionen bemühte ich mich, der Öffentlichkeit, den Behörden, der Politik und den Investoren die großen und vielschichtigen Qualitäten dieses Areals bewusst zu machen. In mehreren Schulprojekten versuchte ich den Jugendlichen die Augen für Architektur zu öffnen. Zur Zeit organisiere ich eine von mir initiierte Veranstaltung der kommenden Architekturwoche A5 mit Einladung international bekannter Archiekten (Walter Angonese, Südtiol und Helmut Dietrich, Vorarlberg), die hervorragende Werke im Umgang mit historischer Bausubstanz geschaffen haben. Die Veranstaltung hat das Ziel, zu motivieren, den Blick nach außen zu wenden und unserer Zeit gerecht zu werden. Außerdem beginne ich gerade damit, eine Initiative für die Befestigungs- und Wallanlagen Augsburgs vorzubereiten.

Als BDA- Mitglied verfüge ich über sehr gute Kontakt zur Augsburger Kollegenschaft, zur Baubehörde, hier insbesondere zur Unteren Denkmalschutzbehörde und zur Stadtarchäologie.

Ich schätze den Wert und die Art der Gebäude der Vergangenheit außerordentlich. Ihre Authentizität, ihre Spuren verdienen neben sensiblem Schutz auch den zeitgemäßen anspruchsvollen architektonischen Umgang im Sinne einer Intervention oder des Weiterbauens. Mit dem Heben seines enormen Potentials könnte Augsburg sein Profil entscheidend schärfen. Als Vertreter der heutigen Architektengeneration ist es meine Überzeugung , dass Hervorragendes im Umgang historischer Bausubstanz nur durch Reibung von Denkmalschutz und Architektur auf hohem Niveau und durch dynamische Planungsentwicklung möglich ist.

Ich wünsche meinem ehemaligen Professor einen Abgang ohne großen Gram und dem Stadtrat jetzt eine parteipolitisch unabhängige Auswahl für ein Amt, das mehr sein muss als Trachtenhut und Volksmusik. Es geht darum die Tradtionen unserer Heimatstadt den heutigen Bewohner verständlich zu machen ohne dass sie den Bürgern zu Zwang und Fluch werden. Es geht darum, miteinander alte Qualitäten zu bewahren und Neues mit mindestens gleicher Qualität weiterzubauen.

Ein hoher Anspruch – eine anspruchsvolle Aufgabe! 

Presssespiegel:

DAZ – Hilbich gibt auf!

AZ: Städtischer Heimatpfleger tritt zurück!

V. Schafitel

3 Kommentare

  1. Hilbich nimmt den Hut - Augsburger Allgemeine Community sagt:

    […] nimmt den Hut Stadtheimatpfleger tritt zur

  2. Dr. Barbara Wolf sagt:

    Die Nominierung Walter Bachhubers für das Amt des Stadtheimatpflegers unterstütze ich voll und ganz. Walter Bachhuber ist fachlich kompetent, ebenso reflektiert wie engagiert und wird die nötige Konzilianz für diese Aufgabe mitbringen, ohne dabei den kritischen Diskurs zu scheuen oder eigene Interessen zu verfolgen. Ich wünsche ihm viel Erfolg und hoffe, dass er auch mit der Hilfe aller rechnen kann, denen die Baukultur dieser Stadt ein Anliegen ist.

  3. Frank Lattke, Vorsitzender Treffpunkt Architektur Schwaben sagt:

    Die Diskussion in der A5 „ArchitekturClub: denkMal!
    Vom Umgang mit Vorhandenem“ – http://www.architekturwoche.org – hat sehr deutlich gezeigt, daß die Entwicklung einer Stadt / einer Region die besten Fachleute braucht, um mit dem nötigen Wissen und der Erfahrung, Lösungen zu entwickeln für die Zukunft. Walter Angonese, Architekt und Frau Dr. Waltraud Kofler Engl, Amt für Bau- und Kunstdenkmäler, Südtirol haben überzeugend ihre Zusammenarbeit dargestellt. Die Ergebnisse, die Weinkellerei Manicor und das Schloss Tirol sind Beweis für eine Architektur, die in einem Dialog um die Sache entsteht mit hoher Sensibilität für Vorhandenes, den Ort und den Kontext.
    Augsburg braucht eben dies. Ein Klima in dem auf der einen Seite Architekten mit Anspruch ihre Arbeit tun dürfen und auf der anderen Seite offene und kompetente Kollegen in den Ämtern, die vor innovativen und ungewöhnlichen Konzepten nicht zurückschrecken. Dazu brauchen wir aber vor allem politische Entscheidungsträger, die solche Ämter nicht nach parteipolitischen Überlegungen sondern nach fachlicher Überzeugung besetzen. Das zeigt Mut, Verantwortung und Bewusstsein für das Leben in einer Stadt, die schon großes geleistet hat – wenn´s auch schon ein bischen zurückliegt (Holl et.al).

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