Ich bin dann mal weg …

Letzte Woche erreichte uns ein Beitrag des stellvertretenden Vorsitzenden des Architekturforums Augsburg, Architekt M. Adamczyk zum Abriss des letzten „Erinnerungsbaus“, der Mälzerei,  auf dem ehemaligen Hasenbrauereigelände in Augsburg. Er hat den Schicksalsweg des Areals seit der ersten Vorstellung des Bebauungsplans durch den damaligen Architekten kritisch begleitet, hat mit „JeanStein“ eine illuminierte Rettungsaktion der Augsburger Schorsteine mitinitiiert und liefert nun in letzter Konsequenz den Abgesang und  Nachruf auf den HASEN!   

Mit dem Abbriss der Mälzerei auf dem Gelände der Hasenbräu in der Kapuzinergasse wird ein Schlusspunkt unter eine städtebauliche Tragödie gesetzt.

abbruch-hasenmälzerei-märz-2013

abbruch-hasenmälzerei-märz-2013

Mit der Verlagerung des Betriebes an den Stadtrand wurde vor Jahren ein enorme Fläche zwischen Maximilianstraße und Konrad-Adenauer-Allee zur Neubebauung frei. Eine historische Chance für ein zeitgemäßes Entwurf im historischen Kontext. Stattdessen Totalabriss und Gebäuderiegel von der Stange, wie sie zahlreich in der Peripherie jeder größeren Stadt zu finden sind. Erst fiel der Kamin „Jean-Stein“, dann das Jugendstil-Sudhaus, zuletzt nun die Mälzerei. Und die, obwohl sie im Bebauungsplan zum Erhalt festgeschrieben war! Das scheint kein Argument zu sein. Die Abrissgenehmigung wurde in den letzten Monaten formell erteilt.

Welchen Wert haben Bebauungspläne, die mit einem immensen Personalaufwand, unter Beteiligung zahlreicher Dienststellen und unter Einbindung der Träger Öffentlicher Belange festgeschrieben und vom Stadtrat verabschiedet werden? Bürger, die sich um das Bewahren des baulichen Erbes einsetzen, werden besänftigt und nach Jahren – im Moment der Realisierung – ist dann alles anders.
Die Stadt vergibt Baurecht. Sie hat damit zum Wohle der Bürger sorgsam umzugehen.

Für gefällte Bäume gibt es immerhin noch „Ersatzpflanzungen“. Abbruchgebäude werden vor Ort zermahlen und als Schotter im Tiefbau wiederverwendet. Davon wird in der Stadt ja momentan jede Menge gebraucht…

michael adamczyk
architekt und stadtplaner
zwerchgasse 5+7
86150 augsburg

tel. 0821/155281
fax 0821/79634034

7 Kommentare

  1. Bernd Koroknay sagt:

    Das von Ihnen dargestellte Szenario empfinde ich als Bankrotterklärung gegenüber allen Bürgern , die Ihren beruflichen Sachverstand in beratende Gremien einbringen, dies im sog. „ehren AMT „.
    Wie wenig Respekt dann diesen Bürgern durch unsere gewählten
    Räte, welche doch nur welche aus unseren Reihen sind, entgegengebracht wird. Fargt sich nur welche Beweg(mittel)
    hier zu solchen Entscheidungen führen. Mein demokratisches Grundverständis geht zunehmend dahin. Ein Hoch auf AUGSBURG!!

  2. Ulrich Englaender sagt:

    Vom berühmten Stadtplaner Ernst May habe ich mal den Satz gehört, dass jede Stadt den Städtebau bekommt, den sie verdient.
    In Augsburg haben die früher so engagierten Personen, Organisationen,Institutionen das Handeln ganz den Investitoren und den Politikern überlassen.Die Architektenverbände sind untergetaucht oder vielleicht durch bezahlte Posten im Baukunstbeirat ruhig gestellt. Die Künstlervereinigung Die Ecke ist zu einem Reiseklub mit kleiner, feiner Gallerie mutiert.Der Heimatpfleger tritt nur am Rande in Erscheinung, ohne jeden Mumm, aber inzwischen auch ordentlich bezahlt, wie mir scheint. Der Stadtbaurat ist eine politische Figur, ein schwacher Planer, und ein Absicherungsvirtuose. Das Stadtplanungsamt wurde politisch und personell „unschädlich“ gemacht, ebenso die Denkmalpflege,das Bau ordnungs- und das Gartenamt.Diese Kastration der Ämter, ich vergaß das Tiefbauamt/ Straßenplanug,setzt sich bei der Reg. v. Schwaben fort, und ich fürchte dass das weiter oben nicht anders aussieht.Diese Enthaltsamkeit bzw.Vernichtung des örtlichen Sachverstandes wird überdeckt durch Gutachten und Wettbewerbe, an denen sich zwar Fachleute beteiligen, denen aber häufig die Ortskenntnis und immer die dauerhafte Verantwortlichkeit fehlt.
    Wenn es also wieder besser werden soll, muß diese Entwicklung wieder umgekehrt werden, müssen die engagierten (Fach)bürger wieder eine außerparlamentarische Oppositionskultur entwickeln, sich mit den Einfluß- und Kulturstrukturen vernetzen, persönliche Nachteile riskieren und öffentlich Mut beweisen. Es müssen viele dahinter stehen, wenn Mutige voran gehen, ein Mann wie Herr Schafitel gehört nicht für eine Partei in den Stadtrat sondern an die Spitze einer starken Planungs APO.Dann würde vielleicht sogar die örtliche Monopolzeitung in Planungsfragen wieder früheren Biss und Qualitätsbewußtsein entwickeln, eine wesentliche Voraussetzung für die Realisierung dieses …..Traums.

  3. emminger sagt:

    Kleine Anmerkung zum Kommentar von H. Englaender:
    Das „Abtauchen“ der Architektenverbände hat nichts mit „bezahlten“ Posten im Baukunstbeirat zu tun. Die Arbeit im BKB ist ehrenamtlich, die Geschäftsordnung hier nachzulesen (http://www.augsburg.de/fileadmin/www/dat/06st/splan_o/BKB/pdf/Geschaeftsordnung.pdf).
    Wenn man die Sitzungsaufwandsentschädigungen und die Reisekosten zusammenfasst, sollte jedem aus dem Bereich Planung klar sein, dass das tatsächlich nur eine Entschädigung ist. Der tatsächliche Aufwand mit Vorbereitung etc ist wohl deutlich höher. Von daher wäre ich an dieser Stelle sehr vorsichtig selbst aus verständlichem Ärger heraus, den beteiligten Kollegen hier eine „Ruhigstellung“ durch Posten zu unterstellen… .

  4. v.s sagt:

    Kleine Anmerkung der Redaktion:
    In diesem Blog kann jeder schreiben was er denkt ohne vorsichtig sein zu müssen! Wir wünschen uns frische unzensierte Beiträge, die auch polarisierend und konträr zur grade opportunen Meinung sein dürfen! Also weiter so!

  5. Walter Bachhuber sagt:

    Ob jetzt früher wirklich alles besser war, in Amt, Politik und freiem Engagement, wie Kurt Engländer meint und wenn ja, wo das seinen baulichen Niederschlag fand, sei dahin gestellt. Was er aber zum Baukunstbeirat sagt, ist abwegig.

    Es gibt wohl kaum ein zweites Gremium in Augsburg, in dem so kontinuierlich, engagiert und unabhängig um eine Verbesserung stadtbildprägender Projekte gerungen wird wie im Baukunstbeirat der Stadt. Dies geschieht bei den teilnehmenden Architekten und Künstlern frei von politischem Kalkül und ist zumindest für die ortsansässigen Mitglieder wirtschaftich eher nachteilig, da sich berufliche Nähe zu behandelten Vorhaben verbietet. Positionen und Ergebnisse an die große Glocke zu hängen, lässt die Geschäftsordnung nicht zu. Baurecht kann der Baukunstbeirat freilich keines schaffen oder nehmen, auch Abbruchgenehmigungen stellt er keine aus. Der Baukunstbeirat ist beratend tätig, gibt Empfehlungen und ist damit außerordentlich wirkungsvoll. Was herauskommt ist nicht immer gut, aber es ist fast immer entscheidend besser als die Vorlage. Und – soviel darf allemal gesagt werden – die Meinungen bei den Sitzungen sind frisch, unzensiert, auch polarisierend und oft konträr zur opportunen Meinung.

    Walter Bachhuber
    1. Vorsitzender des Baukunstbeirates der Stadt Augsburg

  6. Gregor Nagler sagt:

    Die Entwicklung auf dem Hasen-Bräu-Gelände ist eine Katastrophe! Das alles ist ziemlich demotivierend für diejenigen AugsburgerInnen, die sich für das bauliche Erbe einsetzen. Ich frage mich auch, warum es ein Ensemble Altstadt gibt, wenn der in Augsburg offenbar unvermeidliche hochwertige Wohnungsbau dann ähnlich aussieht wie in Göggingen Süd-Ost. Ich habe keinen Einblick, wie genau es zu diesen Abbrüchen und Bebauungsvarianten gekommen ist, aber die bisherigen Neubauten sind schlicht zum Davonlaufen.

  7. Ulrich Englaender sagt:

    Die Arbeit der Kollegen im BKB habe ich nicht kritisiert, denn die kenne ich nicht, wohl auch weil sie nicht öffentlich abläuft, was auch mal zu hinterfragen wäre.
    Aber es gibt ein zeitliches Zusammenfallen zwischen dem Verstummen des öffentlichen Engagements der Architekten Verbände mit der Durchsetzung von Entschädigungen und, vor allem, der Besetzung des BKB nach Verbands Proporz.

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