Die Zukunft des Landgestüts

23.06.2013-Am Ende der Siebentischstraße, hinter den Gebäuden der Handwerkskammer, stehen die Wohnhäuser des 1903 hier errichteten, ehemaligen Königlich Bayerischen Landgestüts. Nicht mehr lange! Denn nachdem die WBG-Sanierer kürzlich dem Gebäude Plastiktüren und Fenster nach Bauträgerart verpasst haben, soll es nun abgerissen werden. Der WBG-Chef Edgar Mathe hat sein ganzes WGB-Leben lang bewiesen, dass er nichts von Baukultur aber viel von Wirtschaftsmathematik versteht. Warum reißt er heute weg, was er erst gestern saniert hat?

Selbst die Bewohner der Häusern wundern sich über dieses Wirtschaftsgebaren! Weder OB Gribl noch der Kämmerer wussten angeblich davon und Gribl erklärte nach einem Telefonat mit dem Chef der WBG: „Wegen der uralten Bausubstanz ist eine Sanierung nicht sinnvoll„! Das sah Mathe vor 2 Jahren wohl nicht so, als er noch in Fenster, Türen und Bäder investiert hat!
Man kann Mathe vorwerfen, dass er ein Baukulturbanause ist, aber ein schlechter Betriebswirtschaftler ist, bzw. war er nie! Was treibt ihn also zu dieser Schandtat?

Gribl und Weber sind im Aufsichtsrat der WBG und wegen Ihrer schlechten Haushaltszahlen auf Raubzug durch die ganze Stadt. Dass der Geschäftsführer der WBG seine Aufsichtsräte von einer solchen Maßnahme nichts erzählt, ist eher unwahrscheinlich. Vielmehr könnte sogar die Verwertungsidee von Weber kommen. Als Nebenerwerbsarchitekt kennt er den Wert der Goldimmobilie am Siebentisch.

Dieser lässt sich aber nur mit Abbruch der historischen – Gebäude und Neubau von Luxuswohnungen realisieren. Das passt wiederum gar nicht zum sozialen Gründungszweck der WBG!

Die Historie des Landgestüts hat Franz Häusler in einem AZ-Artikel beschrieben:

Es war einmal ein Königlich Bayerisches Landgestüt, erreichtet 1903 auf den Wiesen nördlich des Sieben Tisch Waldes, zwischen dem Urstrom des Lech und den Bächen und Kanälen, die aus dem Wald der Stadt zugeleitet werden.

Historischer Lageplan Siebentisch

Historischer Lageplan Siebentisch

Es wurden dort Ställe, Scheunen und Unterkünfte für Offiziere und Stallburschen, Gestütsaufseher, und eine wunderschönen Villa für den Gestütsvorstand errichtet. Der Vorstand war ein adeliger Hauptmann und bewohnte die Belletage einer Villa.

Vorstandsvilla heute Zoogaststätte

Vorstandsvilla heute Zoogaststätte

Nach dem 1. Weltkrieg richtete die Stadt im Landgestüt bis zum Ende des 2. Weltkrieges einen städtischen Ökonomiehof ein, der Krankenhäuser, Altersheime und Waisenhäuser in Zeiten des Hungers mit frischen Lebensmitteln versorgte!

Fast das gesamte Ensemble steht noch wie zur Entstehungszeit bzw. könnte unschwer in diesen Ursprung zurückversetzt werden.

Ställe mit Turmuhr

Ställe mit Turmuhr

Hufschmiede und Wirtschaftsgebäude

Hufschmiede und Wirtschaftsgebäude

Auch die Unterkünfte der Offiziere, Gestütsaufseher und Reitburschen stehen noch. Zwar hat Edgar Mathe ihnen Plastikfenster und Plastiktüren verordnet aber den Charme konnte er der Anlage nicht mal damit nehmen.

Rückseite der Wohnungen mit Gärten (wird abgerissen!)

Rückseite der Häuser mit Gärten (wird abgerissen!)

Schuppen zu jeder Wohnung

Schuppen zu jeder Einheit

Zu jeder Einheit gehört ein Mietergarten und kleine Wege führen zu einem langen Schuppengebäude am anderen Ende der reizvollen Gartenanlage.

Weg durch die Gärten zum Schuppengebäude

Weg durch die Gärten zum Schuppengebäude

Zur Siebentischstraße steht die „uralte Bausubstanz“ da und ist nicht mehr zu retten!
Nicht vor dem Verfall, sondern von den Greifern eines geldhungrigen Kämmerers und seines WBG – Geschäftsführers, der mit vorauseilendem Opportunismus ganz Diener seiner jeweiligen Herren ist und ihr allzeit bereiter Vollzugsknecht beim Abriss wertvoller Erinnerungskultur unserer Stadtgeschichte.

Landgestütswohnungen an der Siebentischstraße werden abgerissen!

Landgestütswohnungen an der Siebentischstraße werden abgerissen!

Wie oft ging ich dort spazieren in Richtung Stempflesee und Schaezlerbrunnen und habe die Menschen beneidet, die dort wohnen durften. Und wie viele Augsburger würden dort zu überschaubaren und sozialen WBG-Mieten gerne wohnen.

Im Landgestüt logiert heute der Augsburger Reitclub

Er verleiht diesem Ort eine Erinnerung, die sich nicht nur in den ehemaligen Gestütsgebäuden findet, sonder alle unsere Sinne berührt.

Wir sehen die Ställe, Schuppen und Rösser. Wir hören das Wiehern, Schnauben und den Hufschlag der Pferde und wir riechen ihren guten Geruch.

In der Villa des Aufsehers ist heute die Zoogaststätte. Fast alles ist noch da und wer diese Stadt nur ein wenig liebt, wird nichts von dem des Geldes wegen zerstören!

Ulrich Heiß M.A. und Dr. Christof Metzger haben für die Altaugsburggesellschaft alles zusammengetragen, was zur Baugeschichte, zum bis dahin völlig vergessenen Architekten und zur historischen Bedeutung über das königliche Landgestüt zu finden ist,  auch einen sehr genauen zeitgenössischen Beitrag aus einer Bauzeitschrift. Wir wünschen viel Interesse beim Schmökern!

Recherche der Altaugsburggesellschaft zum königlichen Landgestüt Augsburg

V. Schafitel, Architekt

14 Kommentare

  1. Christine Schröter sagt:

    also es ist knapp 1 Woche her da haben wir als Neu Augsburger genau diese Gegend „erobert“ wir waren sehr angetan obwohl wir zu dem Zeitpunkt keine Ahnung von den historischen Hintergründen hatten … toll das ich das jetzt noch einmal nachlesen konnte …schlimm wenn „Wirtschaftlichkeit“ die „Geschichte“ frisst … andernorts wird mühvoll ausgegraben wird saniert und erhalten … in Augsburg braucht es wohl nur genormte Betonsilos

  2. Merko sagt:

    Aus welcher Quelle ist Ihnen denn bekannt, dass hier Luxuswohnungen entstehen? Haben Sie die Pläne begutachten dürfen? Soweit ich die letzten Neubauten der WBG betrachte, sind da fast ausschließlich EOF-Wohnungen entstanden. Darin sehe ich keinen Widerspruch zum oft beschworenen „sozialen Anspruch“. Und Rettung / Pflege eines schützenswerten Ensembles ist ja wohl tatsächlich nicht die Aufgabe einer städt. Wohnungsbaugesellschaft, oder?

  3. Gregor Nagler sagt:

    Unglaublich – man kann bald nur noch die Flucht ergreifen…

  4. W. Bauer sagt:

    Es sollte eigentlich völlig indiskutabel sein, dass sich hier die Denkmalpflege auf die Hinterbeine stellt und dieses Gestüt sofort auf die Liste setzt. Völlig unverständlich, dass dies bisher noch nicht geschehen ist, wo an anderer Stelle bei wesentlich unbedeutender Substanz ein riesen Wirbel gemacht wird. Ich hoffe sehr, hier ist noch etwas zu bewirken. Es wäre ein Skandal, wenn diese Gebäude abgerissen würden. Dann sind wir wieder soweit wie in den 1960er Jahren … die derzeit in Augsburg an vielen Stellen entstehenden Neubauten haben mit Baukultur ohnehin nichts mehr zu tun und es ist eigentlich an einem Denkmalamt dafür zu sorgen, dass hier Einhalt geboten wird!

  5. Volker Schafitel sagt:

    @Merko: Jeder verantwortet den Bestand den er verwaltet, zumal es ein kommunaler Bestand ist.

    Günstige Wohnungen stehen dort, und wurden auch schon saniert. Ein Abriss, um dort das selbe zu bauen macht keinen Sinn.

    Auch der Birkenhof wurde von der WBG entmietet und an Luxussanierer verkauft – das waren auch Sozialwohnungen!

    Der Römerhof wurde von der WBG abgerissen.

    WBG heißt: Wir-Beseitigen-Geschichte, hat mir heute ein User geschrieben. Damit hat er Recht!

    Volker Schafitel, Architekt

  6. face book sagt:

    Warum gibt es eigentlich keine Facebook-Seite zum Architekturforum?

  7. Ulrich Englaender sagt:

    Wenn man keine Argumente hat, oder sie geheim halten will, muß die uralte Ausrede von der uralten Bausubstanz herhalten.Mit diesem Argument hätte man z.B.dringend die Fuggerei und das komplette Lechviertel abreißen müssen.Nein, hier sollen Wohnungen in toller Lage errichtet werden, was ja zu diskutieren wäre, wenn die Herren dazu nicht zu feige wären und nicht lieber insgeheim Fakten schaffen würden.
    Noch ein Tipp. Im FNP finde ich hier nur Gemeinbedarfsflächen, also auf, ins fröhliche FNP Änderungs- und Bebauungsplanverfahren, mit Wut-Bürger-Beteiligung und anschließendem Schwanzeinziehen der geprügelten Hunde.

  8. Dr. Ostberg sagt:

    Ein Ensemble wie das Landgestüt abzureißen ist Barbarei. Liegt dire Entscheidung nun allein bei der WBG oder muss das durch den Stadtrat? Dann interessiert mich wie die Parteien dazu stehen und was der OB dazu sagt.
    Ich stimme W. Bauer zu, der auf die Neubauten in der Innenstadt und das Fehlen jeglicher Baukultur verweist. Man stelle sich nur vor, Horrorhäuser wie die im Hasenbräugelände würden das traditionelle Landgestüt ersetzen.
    Hier ist Bürgerprotest dringendst geboten.
    Bisher stand ich Herrn Schafitel eher kritisch gegenüber. Mittlerweile sehe ich in ihm einen derer, die das tun, was eigentlich Aufgabe der Kritischen im Stadtrat sein müsste.
    Ihm sei an dieser Stelle Respekt bezeugt.

  9. M. Kraus sagt:

    Ich kann es wirklich nicht fassen! In Deutschland lässt es mittlerweile an jeglichem Respekt gegenüber historischer Architektur und Stadtplanung missen. Ich dachte, nach den Erfahrungen mit dem verheerenden Nachkriegswiederaufbau wird hier endlich ein Bewusstseinswandel eintreten, aber so kann man sich täuschen.
    Herr Schafitel, wie mein Vorredner war auch ich bisher kein glühender Anhänger von Ihnen, aber (wie schon beim Hasenbräuareal) fechten Sie hier für eine ehrenwerte Sache. Ich hoffe inständig, Sie werden Erfolg haben!

  10. Karl sagt:

    Ganz nebenbei bemerkt:
    Seit nun mehr als einem Jahr steht eine der Wohnungen leer. Die WBG ließ Gardinen reinhängen um den Schein zu wahren.

  11. Karl sagt:

    Verzeihung, seit nun mehr als einem halben Jahr steht die Wohnung leer.

  12. B. Schafitel sagt:

    Lieber Bruder,

    ich zolle Deinem Engagement, dass Du für diese Stadt und deren schützenswerte Stätten aufbringst den größten Respekt!
    (Abgesehen von Merko) kann ich mich den anderen Autoren hier nur zu 100% anschließen. Ich wünsche Dir Erfolg in dieser wichtigen Sache! Obschon man in puncto Baukultur hier schon „Pferde kotzen“ sah, hoffe ich sehr, dass dies den Pferden im Siebentischwald erspart bleiben möge!

  13. R. Sturm sagt:

    Als ich von dem geplanten Abriss dieses idyllischen und stilvollen Ensembles hörte, war ich ganz entgeistert. Oft gehe oder radle ich daran vorbei und genieße den Anblick der schönen Baulichkeiten. Man wundert sich, dass da der Denkmalschutz nichts anzumelden hat. Es wird sehr viel von bezahlbarem Wohnraum und Mietexplosion gesprochen. Aber alles leeres Gerede, wenn die Lobby doch entdeckt hat, dass hier sattes Geld zu verdienen wäre, wenn der Baugrund „freigeräumt“ würde.- Ich wünsche mir und allen daran Leidenden, dass diese Suppe gründlich versalzen wird.

  14. v.s sagt:

    Ich glaube die Suppe ist versalzen: Es war alles nur ein Missverständnis!

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