Der Bechtelerbrunnen

Theo Bechteler wurde als jüngster Sohn des Künstlers Theoder Bechteler (* 1861, † 1911) am 8. Februar 1903 in Immenstadt geboren. Er starb am 22. Juni 1993 in Augsburg. Seine letzte Arbeit in Augsburg zusammen mit seinem Sohn Christoph Bechteler (* 1935 in Berlin, Metallplastiker) war der Bronzebrunnen am Bahnhofsvorplatz in Augsburg. http://www.youtube.com/watch?v=sES6cZVejOw

Heute wird dieser Brunnen abgebrochen. Er steht dem umstrittenen Tunnelprojekt unter dem Bahnhof im Weg.

 

Theo Bechteler  studierte Bildhauerei an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg und in Paris. Nach seinen Berufsjahren in Berlin und Immenstadt wurde er 1955 nach Augsburg berufen, dort erfolgte der Einstieg in den Sektor Kunst am Bau. Es folgten etwa im Jahresabstand Aufträge der Stadt Augsburg resp. des Landesbauamtes Augsburg.

Mit seinen Arbeiten (nur wenige sind aus dieser Zeit erhalten) zog Bechteler, Anfang der 1930er-Jahre ein aufstrebender Künstler, die Feindschaft der Nationalsozialisten auf sich.
Es folgte ein faktisches Ausstellungsverbot, mit wenigen Ausnahmen, bis Kriegsende. Während dieser Zeit verdingte er sich als Handwerker. 

Bronzebrunnen auf dem Bahnhofsvorplatz (1986/ 87, Theo und Christoph Bechteler

Bronzebrunnen auf dem Bahnhofsvorplatz (1986/ 87, Theo und Christoph Bechteler

Sein Sohn Christoph Bechtler , 79 Jahre alt, Metallplastiker in Augsburg hat 1987 zusammen mit dem 84 jährigen Vater den Brunnen am Bahnofsplatz geschaffen. Es war das letzte Werk des Künstlers, der 6 Jahre später starb.

Er erhielt am 25.02.2014 eine email von einer Augsburger Steinmetzfirma, die von den Stadtwerken beauftagt ist, den Brunnen am Bahnhofsvorplatz abzubauen. Der Winterverbau sollte heute, am 26.02.2014 abgebaut sein, sodass Christoph Bechteler Tips geben könnte, wie der Brunnen am besten zu demontieren ist.

Ich habe mit Christoph Besteler gesprochen und er versteht nicht, weshalb der Brunnen für den Tramtunnel entfernt werden muss, wenn der Bahnhof stehen bleiben kann. Er hat für den Brunnen das Urheberrecht. Der Brunnen wurde von der Fa. Infraplan (Viktoriapassagen) gestiftet und er fragt sich, ob der Stifter informiert wurde. Auch steht der Brunnen auf dem Gelände der Bahn. Wehalb kann die Stadtwerke dort tätig werden? Die Enttäuschung steht Christoph Bechteler ins Geicht geschrieben, wie mit einem wichtigen Werk, das er zusammen mit dem Vater dort errichtet hat, umgegangen wird. 

Christoph Bechteler (26. Feb. 2014)

Christoph Bechteler (26. Feb. 2014)

Der Vater wurde mit vielen Auszeichnungen geehrt unter anderem dem Förderpreis der Stadt Augsburg 1963. Immenstadt hat sogar eine Straße nach ihm benannt. Dort hat er die Metallskulptur in der Hofgartenanlage geschaffen.

Theo Bechtler Tanzfiguration in der Hofgartenanlage (1970)

Theo Bechteler Tanzfiguration in der Hofgartenanlage (1970)

Neben dem Manzuburnnen und dem Wasserrad am Schwall wird mit dem Bechtelerbrunnen am Hauptbahnhof das 3. gestiftete Werk sang und klanglos entfernt. Ein neuer „Brand“ der Stadt Augusburg soll „Die Stifterstadt“ sein. Der Großmut der Stifter ist aber wenig vereinbar mit der Kleinmütigkeit der Empfänger und deren Respekt auch gegenüber den Künstlern.

Abbruch des Bechtelerbrunnes am 26.Feb.2014

Abbruch des Bechtelerbrunnes am 26.Feb.2014

 

Laut der Information auf der Internetseite der SWA „Projekt Augsburg City“ sollte derzeit ein Architektenwettbewerb für den Bahnhofsvorplatz abgehalten, und parallel dazu der Bechtelerbrunnen saniert werden. Die Realität holt uns täglich ein!

Christioph Bechteler sagt, das Metallrelief wurde erstellt und mit Beton ausgegossen, damit die Wasserschüssel darüber hält. Das Relief kann ohne den Kern nicht schadlos entfernt werden. Er wurde auch als Urheber nicht befragt und wird am 26.02.2014 um 15:00 vor vollendete Tatsachen gestellt.

Es gibt wenig Kunst von unseren eigenen Künstlern in Augsburg. Offenbar können die wenigen die wir haben, vor dem künstlerischen Sachverstand der Stadtwerke und der Bauverwaltung nicht bestehen.

V. Schafitel, Architekt

1 Kommentar

  1. Birgitta Schafitel sagt:

    Viele von uns verbrachten an diesem Brunnen Zeit: Zeit, mit einem Buch in der Hand, um auf den Bus oder Zug zu warten, auf die Ankunft eines Menschen, der mit dem Zug ankam. Er spendete an heißen Tagen Abkühlung und „verlockte“ Kinder zum Wasserspiel. Kurz: Er war einfach schön – an sich und an diesem Ort! Solches Vor- und Umgehen mit Kunstwerken macht fassungslos. Um so mehr, als erst am vergangenen Samstag Politiker dieser Stadt im Foyer des Stadttheaters auf dem Podium saßen, um auf Fragen zum Thema „KULTUR in Augsburg“ Rede und Antwort zu stehen. Vor dem Hintergrund der oben beschriebenen „Umgangsformen“ mit Kulturgütern in Augsburg, erscheinen solche Veranstaltungen als Farce, die sich die hierfür Verantwortlichen in Zukunft sparen können!

Ihr Kommentar

Bitte beachten: Bis zum Erscheinen Ihres Kommentares können einige Minuten vergehen.