MERKUR FEHLT UNS

Durch eine OB Verfügung im Oktober 2014 wurden die Augsburger Handelsleute vorübergehend ihres Schutzgottes Mercurius am Moritzplatz beraubt. Damit ist erstmals seit den 1940er Kriegsjahren der Platz auf dem Brunnensockel am Moritzplatz verwaist.

Ein stadträumlicher Verlust und wenn man an antike Götzenbilder glaubt, ein gefährlicher Verlust für den Handel. Wenn man an moderne Götzenbilder glaubt, soll dieser vorübergehende Verlust durch die ebenso vorübergehende Werbekampagne „UND JETZT KOMMST DU“ geheilt werden.

In Rom wurde dem Gott Mercurius als Beschützer des für diese Stadt so wichtigen Kornhandels ein öffentlicher Kultus eingerichtet. 495 v. Chr. weihten die Römer für ihn einen Tempel am Circus maximus (am Aventin) ein, gleichzeitig wurde eine Zunft der Kaufleute geschaffen, deren Mitglieder sich mercuriales nannten.

Im römischen Reich während der Kaiserzeit wurde Mercurius mit dem Handel nach Westen und Norden verbreitet. In den keltischen und germanischen Provinzen war schließlich die Verehrung von Merkur stärker noch als in Rom selbst. Darauf weisen hunderte von Funden hin, bei denen es sich zumeist um Inschriften auf Weihesteinen aus Bronze handelt.

Natürlich glaube ich nicht, dass unser Innenstadthandel durch den Abtransport seines Schutzgottes nach München einen Umsatzrückgang von 40% hat. Genauso wenig glaube ich aber, dass dieser durch „UND JETZT KOMMST DU“ zurück kommt.

Unsere Stadt wird aufgesucht, weil es dort Kultur gibt wie das Römische Museum, und z.B. Plätze mit weltberühmten Brunnen mit Bronzen von Adriaen De Vries.

In die Sanierung der Museen und in die Sicherung der Bronzen müsste nachhaltig investiert werden, und nicht in eine kurzlebige Werbekampagne.

Merkur, wir vermissen dich sehr! WANN KOMMST DU ?

V. Schafitel, Architekt

1 Kommentar

  1. Marion Roden sagt:

    Das Original der Merkurstatue steht im Augsburger Maximilianmuseum
    und die Kopie wurde vom Sockel gehoben, um sie dem Nationalmuseum
    München für die Ausstellung zu leihen.

    Gott seit Dank setzt man das fragile Original der Tortur eines
    Transportes und Umbaus nicht aus und beläßt unseren Merkur
    im Schutz des hiesigen Museums.

    Dennoch ist der leere Sockel auf der Maximilianstraße ein
    schmerzlicher Anblick, auch wenn es nur für ein paar Wochen
    ist.

    Andererseits fällt mir auf, daß die Augsburger Werbeaktion
    „Und jetzt kommst Du“ darauf abzielt, daß mehr Menschen
    unsere Stadt besuchen sollen. Wieso schafft man dann unsere
    Attraktionen nach München, anstatt darauf zu setzen, daß die
    Münchner bitteschön zu uns kommen und sich hier vor Ort im
    historischen Umfeld ansehen, was die schöne Stadt Augsburg
    zu bieten hat?

    Die Brunnenfiguren von Adrian de Vries sind zu Recht der ganze
    Stolz Augsburgs und gut gemachte Fotografien davon hätten der
    Ausstellung in München eigentlich genügen können.

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