quo vadis gaswerk? (2015)

Prof. Dr. Karl Ganser transformiert alte Industrieareale behutsam und wirtschaftlich in eine neue Nutzung. Dabei darf man unter wirtschaftlich nicht Gewinnmaximierung verstehen sondern den optimalen Ertrag, der den Erhalt der Anlage in seinem Architekturcharakter sichert und dabei einer adäquaten Nutzung zuführt.

Sein Ziel  ist eine schwarze Null!

Die Stadtwerke Augsburg konnten im Jahr 2007 keinen Besseren Nach- und Vordenker wie Karl Ganser finden, als sie Ihn für das Gaswerkareal mit einer Machbarkeitsstudie und Popularisierungskampagne beauftragten.

Die Bauten auf dem alten Gaswerkareal

Die Bauten auf dem alten Gaswerkareal

Im Abschlussbericht seiner Untersuchung schreibt Ganser:

Der Aufwand für den Bauunterhalt lässt sich abschätzen. Er bewegt sich in der Größenordnung der letzten 10-15 Jahre. Voraussetzung ist allerdings, dass nur repariert und nicht grundlegen erneuert wird.
Das Motto „Lieber einmal und dann richtig“ führt zwingend zur Unwirtschaftlichkeit, weil auf diesem Weg Neubau gleiche Standards zur Anwendung kommen und aus einem alten Bauwerk ein Neues entsteht. Der Denkmalwert wird dabei unweigerlich beschädigt oder gar zerstört.

In seiner Bilanz errechnet er, unterfüttert mit plausiblen Zahlen, dass sich auf einem Niveau von ca. 400.000 € Einnahmen und Ausgaben decken. Die Lösung war 2007 gefunden.

Nach Karl Ganser beauftragten die Stadtwerke Augsburg diverse Architektenteams und Stadtentwicklungsmoderatoren mit teuren Feinuntersuchungen, Machbarkeitsstudien, Entwicklungskonzepten, Durchführung einer Zukunftswerkstatt und einer Planerwerkstatt zu Honorarsummen, die sicher besser in die Reparatur der Gebäude geflossen wären.
Denn die Ergebnisse dieser Experten, die teilweise 5-stellige Millionenbeträge gekostet hätten, verschwanden alle in Schubladen. Selbst das, welches Ende Februar 2014 mit großem Medienrummel präsentiert wurde, 20-30 Millionen gekostet hätte und laut OB Gribl finanzierbar gewesen wäre. Allerdings war da gerade Wahlkampf.

Das Haus im Haus vom Ofenhaus (ArchitektenDynamo/Cordes/Felmede-Mandel 2014)

Das Haus im Haus vom Ofenhaus (ArchitektenDynamo/Cordes/Felmede-Mandel 2014)

Jenseits von Karl Gansers Philosophie und Ansatz, und auch nicht entsprechend den teuren Expertenvorschlägen ziehen die Stadtwerke Augsburg nun ein Konzept aus dem Ärmel, welches keineswegs aus der Essenz bisheriger Studien, sondern aus der Not geboren ist, für die Stadttheatersanierung wieder mal eine Interimsspielstädte zu schaffen, diese mit einem Parkhaus gegen das benachbarte Tanklager zu schützen und gleichzeitig den Kulturschaffenden im KUPA West eine Ersatzheimat zu geben.

Skizze um Stadtratsbeschluss Interimspielstätte Gaswerk Dez.2015

Skizze um Stadtratsbeschluss Interimspielstätte Gaswerk Dez.2015

Finanzier des Vorhabens sind die Stadtwerke Augsburg, die dafür eine eigene GmbH & Co.KG gründen werden, um Private Partner und Investoren leichter in´s Boot zu bekommen.

Es ist die Rede von einem „Investment“ in Höhe von 30 Mio Euro, welches laut dem Geschäftsführer der SWA, Dr. Casazza, „für den Konzern kein Problem darstellt.“

Um den nachgefragten, weil zur Beschlussvorlage nicht vorgelegten Businessplan zu erklären, trat der kaufmännische Direktor der SWA, Dr. Ralph Steger auf. Er erklärte mit 3 einfachen Zahlen den „Businessplan“:

1. Bisher jährlich 500.000€-800.000€ Unterhaltskosten
2. 2018 Schwarze Null
3. Danach jährlich 300:000 € Gewinn

Wenn die SWA ein Investment von 30 Mio Euro, mit 2% finanziert und 3% tilgt kostet das im Jahr 1,5Mio€ und hat eine Laufzeit bis zur Tilgung von 18 Jahren, also bis 2033.
Rechnet man die Unterhaltskosten von 800.000€ und den vorausgesagten Gewinn von 300.000€ dazu, müsste die SWA am Gaswerk 2.6Mio im Jahr Miete einnehmen, um das Ergebnis dieses „Businessplans“ zu erzielen. Wie soll das gehen?

Die Anregung, im Rahmen einer Planerwerkstatt mit 6 Büros einen städtebaulichen Entwicklungsplan als Grundlage für den Bebauungsplan zu machen wurde ebenso abgelehnt wie der Vorschlag einer Planerwerkstatt für Parkhaus, Theater, Werkstätten und den Block für die Künstler.
Dies, obwohl man mit alternativen Planungsverfahren, die man Investoren auf dem Dehnergelände, in der Sommestraße , beim Servatiustift und beim ehemaligen Kreiswehrersatzamt zur Auflage gemacht hat, gute Ergebnisse erzielen konnte.

Stattdessen beauftragt die SWA in freier Vergabe Architektenleistungen über ein Bauvolumen von mindestens 20 Mio Euro.

Karl Ganser ging an das Projekt heran mit der Tugend des Minimalismus: Behutsam erhalten, entwickeln und immer darauf bedacht, Werte zu erhalten, war seine Divise.

Im Westen was Großes“ überschrieb die Neue Szene Ihren Artikel im März 2014.

Dazwischen liegen Welten!

Volker Schafitel, Architekt

Alles zum Gaswerk

3 Kommentare

  1. dr.phi. michael m. stanic sagt:

    Visionen sind der Rahmen aller Träume. Die wahren Kosten über die Jahre der andere.

    Soweit für Laien erkennbar, kommen auf die Kommune enorme Kosten zu, die in etwa jenen Investitionswünschen Münchens nahe kommen könnten?

    Tunnel und Infrastruktur-fertigstellung mit Straßenbahn

    Stadttheater und Ausweichräume

    Römisches Museum

    Gaswerk

    Kulturparks in ehem. Kasernen

    Schul,- u. Sportstättensanierung

    Straßen & Brückensan.(anteilig)

    Flüchtlingsunterbringung & neue Wohnungen mit Integrationskosten

    – Baukostensteigerungen und neue EU Verordnungen in den nächsten 8 -10 Jahren.

    Schuldentilgungen (?)

    Quod erat demonstrandum !

    Prof.Wolfgang Braunfels, Ordinarius für Kunstgeschichte, München,meinte einmal anläßlich der Bebauung des Marienhofs: „Lasst die folgenden Genera-tionen auch noch Großes bauen“

  2. m. adamczyk sagt:

    ein grund mehr sanft und behutsam vorzugehen.

    aber anscheinend gibt es dafür weder den mut noch eine politische mehrheit.

    irgendwie bezeichnend, dass der umstrukturierungsprozess eines stadthistorischen kleinodes mit einem parkhaus beginnt.

    erfolgsgeschichten starten anders.

  3. Eric Michael sagt:

    Herr Schafitel, ich finde Sie sind ein toller Architekt. Ihre Werke die man in Augsburg kennt, oberste Liga. Davon könnten sich überregional bekannte „Popstars“ der Architektur wie ein Koolhas oder ein Kulka wirklich was abschneiden. Vielleicht sind Sie da einfach in der „falschen Stadt“ tätig, wären Sie Berliner oder Hamburger, dann würden Sie wahrscheinlich international bauen. Aber ich bin froh, Sie hier zu haben und vor Ort zu wirken.

    Nur, Ihre Kritik an den Gaswerkplänen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Denn man muss aufpassen, hier nicht nach dem Prinzip „lieber die Taube auf dem Dach als der Spatz in der Hand“ zu verfahren. Wir alle wissen um die finanziellen Probleme des „Gesamtkonzerns Stadt Augsburg“, ob nun die Stadtwerke oder die städtische Kämmerei etwas finanziert, finanziell wird da auf Sicht gefahren.

    Wer weiss schon, wie sich die Lasten aus der Energiewende oder der stetig steigende Wechselwille der Energiekunden noch auswirken. Wer weiss schon, welche Förderung es in Zukunft noch für ÖPNV gibt. Wie sich die Steuerbasis der Stadt selbst entwickelt, ich meine wir leben derzeit in einem Aufschwung und unser Gesamtstaat hat Rekordeinnahmen und schon jetzt bekommen wir finanziell nicht ansatzweise alles das, was wünschenswert wäre, finanziert.

    In schlechteren Zeiten wird solch ein Projekt definitiv als allererstes als entbehrlich gestrichen. Und dann haben wir eine tolle Planung, aber kein Geld mehr (denken Sie an das Schicksal des Maxstraßenumbaus, wie lange wurde da um das Kaiserstraßenkonzept gerungen bis alle zugestimmt hatten und nicht zuletzt Sie haben dann hart darum gerungen, dass es in der Maxstraße endlich losgeht, was aber bis heute noch nicht abgeschlossen ist).

    Wollen wir wirklich riskieren, dass es dazu kommt, indem wir jetzt, um die „perfekte Planung“ bemüht, noch viel weitere Zeit mit Diskussionen und Architekturwettbewerben usw. zubringen?

    Ich als ganz normaler Bürger möchte, dass hier was voran geht, da wird schon genug Jahre nur diskutiert. Ich möchte Ergebnisse. Und wenn mit der vorhandenen Substanz einigermaßen schonend umgegangen wird, dann werden da ja auch keine unabänderlichen Fehler begangen werden. Wenn sich dort wirklich das gewünschte Kulturangebot etabliert, dann wird sich dieses Areal doch eh ständig verändern und neu erfinden (also egal welche Planung umgesetzt wird, mehr, als eine Ausgangsbasis würde diese doch eh niemals sein, egal wie wir es jetzt gestalten, in 20 Jahren würde es doch eh wieder ganz anders aussehen). Das ist schon eine andere Situation als bei Großprojekten wie zB dem HBF Umbau, wo die Weichen für die kommenden Jahrzehnte gestellt wurden.

    Vielleicht können Sie meinen Blickwinkel nachvollziehen.

    Viel Erfolg noch im Stadtrat (PS: was sagen Sie eigentlich zu den neuesten Plänen zur ehemaligen Hauptpost in der Grottenau? Die Idee eines Konzertsaals in der schönen Schalterhalle wirkt bestechend, aber ist das architektonisch denn auch so in dem Bestandsbau möglich? Mich würden hier weitere Details aus kundigem Mund sehr interessieren)

Ihr Kommentar

Bitte beachten: Bis zum Erscheinen Ihres Kommentares können einige Minuten vergehen.