architekturfilm&jazz (43)

28. April 2016In der Veranstaltungsreihe „Architekturfilm und Jazz“ im Thalia Kino Am Obstmarkt in Augsburg, zeigen wir am Montag den 02.Mai 2016 – 19 Uhr einen Film über den Architekten „Ernst May: Eine Revolution des Großstädters – Architekt und Planer auf drei Kontinenten“ Regie: Otto Schweitzer – (Eintritt 7 €)

Ernst May war ein deutscher Architekt und Stadtplaner und gilt als „Vater der Trabantenstädte“. http://ernst-may-gesellschaft.de

Ab 20:30 Live-Jazz mit Dietmar Liehr ( siebensaitige Gitarre) und Reinhold Bauer ( Flügel, Saxofon und Klarinette) im Thalia Kaffeehaus bei gutem Essen u. guten Gesprächen. Eintritt frei!

Er war Ernst May wurde 1886 in Frankfurt am Main geboren und starb 1970 in Hamburg. Er war zwischen 1925 und 1930 als Siedlungsdezernent der Stadt Frankfurt verantwortlich für die Planung und Realisierung des Projekts Neues Frankfurt.

Wohnsiedlung Bornheimer Hang, Frankfurt am Main, 1926–1930.

Wohnsiedlung Bornheimer Hang, Frankfurt am Main, 1926–1930.

Innerhalb von nur fünf Jahren schuf der Architekt und Städtebauer für das „Neue Frankfurt“ zwischen 1925 und 1930 rund 15.000 Wohnungen, avantgardistische öffentliche Bauwerke und eine zeitgemäße soziale Infrastruktur.

Siedlung Römerstadt Frankfurt1927-1928

Siedlung Römerstadt Frankfurt1927-1928

Siedlung Römerstadt, Frankfurt am Main, 1926–1928.

Siedlung Römerstadt, Frankfurt am Main, 1926–1928.

In den 1930er Jahren führte ihn seine Arbeit in die Sowjetunion, wo er vor dem Hintergrund der forcierten Industrialisierung moderne Arbeiterstädte aus dem Boden stampfte. „Wer mich beauftragt, kauft mich. Ich bin käuflich. Ich bin eine Hure. Ich bin ein Künstler.“ Und dann bekannte auch er sich dazu, Stalin „verehrt“ zu haben: „Ich fand ihn wunderbar, weil ich dachte, er würde etwas bauen. Als junger Mann dachte ich, dass jeder gut sei, der baut.“ May sah für die Stadt Moskau den kompletten Abriss vor – nur der Kreml sollte stehen bleiben. Ähnlich wie Le Corbusier mit Paris (1925) verfahren wollte.

1933-1954, ließ sich dieser Großmeister der Planung als Kaffeefarmer in Ostafrika nieder. Erst allmählich kehrte er mit Konzepten für eine „tropische Moderne in sein eigentliches Berufsfeld zurück. Das im Verhältnis schmale Planungswerk dieser Jahre strahlte vor allem in den Ländern Kenia, Uganda und Tansania aus.

Wohn- und Geschäftshaus "Kenwood House", Nairobi 1937

Wohn- und Geschäftshaus

Den schwergewichtigen Schlussakkord setzte May danach nochmals in Deutschland. Als Chefplaner der Neuen Heimat 1954-56 und danach Freier Architekt in enger Kooperation mit diesem größten Wohnungskonzern der Welt, dominierte er den Bau von Trabantenstädten und Plattenbausiedlungen im westlichen Deutschland in einem Ausmaß, das keinem seiner Standeskollegen vergönnt war.

Zwischen 1954 und seinem Tod 1970 entstanden auf seinen Reißbrettern nach den Recherchen von Wolfgang Voigt nicht weniger als 90.000 Wohnungen.

In den der Bombardierung entgangenen Straßenzügen von Hamburg Altona wollte er nur noch „einen schon vor der Zerbombung innerlich abgestorbenen Stadtteil“ sehen.

Um „einen lebendigen Stadtkörper“ aus neuem Geist zu schaffen, fing er an, die übrig gebliebenen Altbauten auch noch abzureißen. Auch wenn er dann doch die selbst gesetzte Zielmarke von zwei Drittel Abriss verfehlte, ist Mays Neu-Altona heute zwar ein grüner Stadtteil, aber einer der totesten Räume der Stadt.

Der Film spürt dem Schaffen Ernst Mays auf den drei Kontinenten nach. Vom Frankfurter Stadtteil Ginnheim bis zur Industriestadt Magnitogorsk im Ural, von Arusha am Kilimandscharo bis zum sibirischen Novokuzneck, überall fand das Team um den Frankfurter Filmemacher Otto Schweitzer bauliche Spuren Mays und hielt sie filmisch fest.

Nach dem Film Live -Jazz mit Dietmar Liehr (Gitarre)und Reinhold Bauer (Saxophon)

Volker Schafitel, Architekt

Die nächsten Termine:

Montag, 06.06.2016 „Die Stadt als Beute“, Regie: Andreas Wilcke
Montag, 04.07.2016 „Architekt Hans Doellgast – Portrait eines Baumeisters „

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