STADTGESTALTUNG AUGSBURG (1)

Im August 1996 veröffentlichten Dr. Karl Demharter (Stadtbaurat), Reinhard Saions (Leiter Stadtsanierung) und Dieter Fuchshuber (Leiter Stadtplanungsamt) diese schöne Broschüre Sanierung Lechviertel , zu Ihrer herausragenden Leistung bei der Sanierung der Altstadt. Die Sanierer der 90-er Jahre hatten weitsichtige und vorbildliche Gestaltungsrichtlinien für das gesamte Kernstadtgebiet, die Altstadt, die Gründerzeitviertel und die Vorstädte entwickelt und vorgegeben!

Aufgrund dieser excellenten Vorarbeit können auf der Grundlage der 90-er Jahre ganzheitliche und stimmige Stadtsanierungsmaßnahmen im gesamten Stadtgebiet durchgeführt werden, ohne immer wieder Gestaltungskreterien neu und kostspielig „erfinden“ zu müssen – im Gegenteil – Abweichungen verwischen den ganzheitlichen Ansatz und setzen die einzigartige Gestaltungsorientierung Augsburgs aufs Spiel.  

Deshalb sehe ich den Aktionismus des Baurferenten, an allen Ecken der Innenstadt Gestaltungswettbewerbe für teures Geld auszuschreiben als einen überflüssigen und kontraproduktiven Ansatz zu Augsburgs Stadtgestaltung. Wenn sogar das eigene Referat den qualitativen Maßstab zur Stadtraumgestaltung gesetzt hat, ist es unverständlich, weshalb man gute Arbeit „übertünchen“  will. 

So wurde am Hollplatz ein Wettbewerb für 250.000 Euro veranstaltet obwohl ein herrlicher Plan des ehemaligen Stadtbaumeisters Walter Schmid aus dem Jahr 1956 vorliegt, der leider nie konsequent realisiert wurde. Er beinhaltet die Platanenreihe am südlichen Platzrand und das Holldenkmal. Die Pflasterung bestand aus Granitzeilenfeldern (leider ausgeführt in Waschbeton) die mit großen abgeflachten (geschnittenen) Lechkieseln ausgelegt werden sollten – ein reizendes Zitat für die STADT AM LECH! Auch ein teuer bezahlter Gestaltungsplan von Frieder Pfister aus den 90-er  Jahren verschwand in den Schubladen der Verwaltung und wurde nicht realisiert.

Aktuell arbeitet das Baureferat an der Auslobung eines Wettbewerbs zur Gestaltung des Straßenraums in der Fußgängerzone. 200.000 Euro werden aufgewendet für längst festgelegte und auch schon in Teilbereichen realisierte  Gestaltungskreterien.

Wenn der Referent mit offenen Augen vor die Türe seines Referats in der kurzen Maximilianstraße tritt, befindet er sich mitten in den Gestaltungsvorgaben der Kernstadt: fußgängerfreundliche Granitplatten, mit Basalt gepflasterte Fahrspuren, gepflasterte Wasserrinnen mit Kleinsteingranit und die wunderschönen Riedingerlampen als Stand- und Wandlaterne.

Es würde mich wundern, wenn es im Tiefbauamt nicht kreative Planer und Ingenieure gibt, die für 200.000 Euro die weiteren Bereiche nach diesen Vorgaben projektieren, koordinieren und teilweise schon realisieren können, anstatt mit dem knappen Geld das Rad neu zu erfinden. 

Angesichts leerer Haushaltskassen könnte dieser Beitrag weniger als Kritik am Baureferenten sondern mehr als konstruktiver Sparvorschlag für den Finanzreferenten gewertet werden.

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V. Schafitel, Architekt

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